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Mrz 29
Menschenrechtskultur bei uns und anderswo

Am 17. März 2017 organisierte die DEZA in Genf im Rahmen des Internationalen Filmfestivals für Menschenrechte eine Podiumsdiskussion zu den Herausforderungen, mit denen sich nationale Menschenrechtsinstitutionen konfrontiert sehen.

Die DEZA unterstützt weltweit sechs nationale Menschenrechtsinstitutionen. In Genf diente die Arbeit der nationalen Menschenrechtskommission von Nepal als Ausgangspunkt für eine spannende Diskussion über die Merkmale einer Menschenrechtskultur. Ein weites Feld!

Zuerst wurde ein ergreifender, etwa zwanzigminütiger Dokumentarfilm gezeigt. In «Monah's Commitment to Justice» begleiten wir Mohna Ansari, die einzige Frau in der nationalen Menschenrechtskommission von Nepal, in ihrem Berufsalltag.


Mohna Ansari ist die erste muslimische Anwältin des Landes und die erste Anwältin aus der nepalesischen Minderheit der Madhesi. «Meine Verwandten wollten nicht, dass ich an die Universität gehe», erzählt Mohna Ansari. «Sie hatten Angst, dass ich mit meiner Bildung ihren Status in Frage stelle. Aber heute sind sie stolz auf mich!»

Damit war die Podiumsdiskussion lanciert. Neben Mohna Ansari sprachen Jyoti Sanghera, Sektionschefin im UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte, Jean-François Cuénod, stellvertretender Chef des Bereichs Südzusammenarbeit der DEZA, und Marc Limon, Geschäftsleiter der Universal Rights Group, einer Denkfabrik in Genf.

«Die Dalit sind auch heute noch im wahrsten Sinne des Wortes Unberührbare.»  Mohna Ansari

Mohna Ansari griff auf ihre persönliche Erfahrung zurück, um an eine wesentliche Voraussetzung für die Förderung der Grundrechte zu erinnern: Bildung. Nur mit Bildung können die Einstellungen der Menschen verändert und die Bevölkerung dafür sensibilisiert werden, dass jede Person das Recht hat, zu denken, zu lernen, zu handeln – und zu leben.

Mohna Ansari, Mitglied der nationalen Menschenrechtskommission in Nepal. ©EDA

«Trotz fortschrittlicher Gesetzgebung sind die Dalit in meinem Land auch heute noch im wahrsten Sinne des Wortes Unberührbare», kritisiert Mohna Ansari. «Sie dürfen keine Tempel betreten und sind von öffentlichen Veranstaltungen ausgeschlossen.»

Aber Achtung: Jyoti Sanghera weist darauf hin, dass es falsch wäre zu glauben, dass westliche Gesellschaften alles richtig machen. «Der Umgang mit der Migrationskrise in Europa und verschiedene Massnahmen der USA haben unsere eigenen Verstösse gegen die Grundrechte ans Licht gebracht.» Das heisst: Eine echte Menschenrechtskultur ist nie endgültig gesichert. Sie muss immer wieder vor Ort, im Alltag errungen werden.

Jyoti Sanghera, Sektionsschefin UNO-Hochkommisariat für Menschenrechte. ©EDA

Dabei spielen die nationalen Menschenrechtsinstitutionen eine wesentliche Rolle. In Nepal hat die nationale Menschenrechtskommission, die von der DEZA finanziell unterstützt wird, oft mit Opfern des Erdbebens vom April 2015 zu tun, die die versprochene Wiederaufbauhilfe immer noch nicht erhalten haben.

 Jean-François Cuénod, Chef des Bereichs Südzusammenarbeit. ©EDA

«Die DEZA trägt dazu bei, Schwachstellen bei der Erbringung von Hilfsleistungen zu identifizieren. Zudem will sie die nationalen Behörden bei der Koordination und Bewältigung der Folgearbeiten nach dem Erdbeben unterstützen», erklärt Jean-François Cuénod.

An der Podiumsdiskussion wurde klar, dass die Menschenrechte grösstenteils eine Frage der Zusammenarbeit sind. «Nur weil sich die nationalen Menschenrechtskommissionen als unabhängig bezeichnen, heisst das noch lange nicht, dass sie gegen ihre eigenen Regierungen Position beziehen», betont Marc Limon. «Oft engagieren sie sich als Partner.»

Marc Limon, Geschäftsleiter der Universal Rights Group. ©EDA

Mohna Ansari stimmt zu. Die manchmal sehr kritischen Berichte ihrer Kommission sollen die nepalesischen Behörden über Ungerechtigkeiten informieren, die teilweise nicht ins Auge stechen. Danach liegt der Ball bei der Regierung.

Mrz 24
Hilfe für Kinder in Kriegsgebieten

​Millionen Kinder sind von Kriegen und bewaffneten Konflikten betroffen. Oft sind sie von ihren Angehörigen getrennt und leben unter prekären Bedingungen, die ihre Entwicklung, Gesundheit und Zukunft beeinträchtigen. Anlässlich der Jahrestagung der Humanitären Hilfe und des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) erklärt Petra Heusser, Mitglied des SKH und Kinderexpertin bei UNICEF, welche Anstrengungen unternommen werden, um den Mädchen und Jungen, den Neugeborenen, Kindern oder Jugendlichen zu helfen.

Der Schrecken des Krieges

Krieg. Kindheit. Diese beiden Wörter dürften nie nebeneinander stehen. Und doch ist genau das die Realität von Millionen Kindern auf der Welt. Die Auswirkungen des Krieges auf diese jungen Menschen, die noch verletzlicher als Erwachsene sind, sind verheerend. Der Krieg bringt in jeder Beziehung Elend und Zerstörung. Er zerstört Häuser, Schulen, Spitäler, Spielplätze und raubt den Kindern ihre Grundrechte. Er tötet Familien, Angehörige, Freunde. Er schürt Angst und vernichtet die Geborgenheit, die ein Kind zum Aufwachsen braucht. 

Krieg öffnet dem Missbrauch Tür und Tor. Kinder werden in bewaffnete Gruppen rekrutiert oder als Träger, Informanten, Köchinnen oder Sexsklaven missbraucht. Kinder werden zur Zwangsarbeit genötigt oder müssen arbeiten, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Sie sind zahlreichen Formen der Gewalt ausgesetzt – sexueller, physischer und psychischer Gewalt. Krieg hinterlässt Landminen und andere gefährliche Objekte, die die Menschen auch nach Jahren noch bedrohen.

Oft haben die Kinder und ihre Familien keine andere Wahl, als zu fliehen. Laut der UNO gibt es weltweit 65.3 Millionen Vertriebene aufgrund bewaffneter Konflikte oder fragiler Situationen. Mehr als die Hälfte dieser Menschen sind Kinder, d. h. über 30 Millionen.

Fatale Folgen

Krieg hat zahlreiche Auswirkungen auf die Kinder und bedroht sowohl ihre körperliche als auch ihre geistige Unversehrtheit. «30% bis 50% der Kinder und Jugendlichen, die in einem Kriegsland leben oder gelebt haben, weisen erhebliche Symptome einer psychosozialen Störung auf», sagt Petra Heusser, Mitglied eines UNICEF-Soforteinsatzteams im Bereich Kinderschutz.

«Krieg verursacht viele unsichtbare Wunden. Die Kinder leiden unter Symptomen wie Albträumen, Bettnässen, Sprach- oder Entwicklungsstörungen, Konzentrationsschwäche, Zurückgezogenheit bzw. Aggressivität», erklärt die Expertin. 

«Die Folgen des Kriegs in Syrien zum Beispiel sind für die betroffenen Kinder dramatisch. Laut einer neuen Studie der NGO Save the Children zu den psychologischen Auswirkungen des Krieges auf die syrischen Kinder leidet jedes vierte Kind kriegsbedingt unter äusserst starken psychischen Problemen.»

Die Widerstandskraft der Kinder ist individuell unterschiedlich und hängt vom Rückhalt in der Familie oder der Gemeinschaft ab. Professionelle Hilfe ist jedoch in jedem Fall unerlässlich.

Dringend benötigte Hilfe

Wie kann den Kindern geholfen werden? «Die Bedürfnisse der Kinder in Kriegsgebieten sind zahlreich und spezifisch. Die Hilfsleistungen sind ebenfalls vielfältig und auf die jungen Adressaten ausgerichtet», erläutert Petra Heusser. UNICEF leistet sowohl Nothilfe als auch langfristige Hilfe, unterstützt dabei Regierungen und arbeitet mit etlichen anderen Kinderhilfswerken zusammen. Die DEZA leistet ihrerseits finanzielle Beiträge an zahlreiche Projekte.

Um unbegleiteten Kindern zu helfen, wurden z.B. Massnahmen zur Suche von Angehörigen und Überlebenden eingeleitet. Mehrere Akteure vor Ort kümmern sich um die Suchdienste zur Zusammenführung von Familien. Im Vordergrund steht auch die Sicherheit der Kinder. «Prävention ist ein wichtiger Schwerpunkt unseres Engagements. Wir lehren die Kinder z.B., dass sie Landminen meiden und nicht in zerbombten Häusern spielen sollen.»

Gemeinschaftszentren und Schulen bieten in Zusammenarbeit mit den Familien psychosoziale Betreuung an, um Kindern zu helfen, die namentlich aufgrund von Gewalt und sexueller Nötigung unter psychischen Problemen leiden. «Die Kinder lernen, über ihre schlimmen Erlebnisse, den Krieg und die Gewalt zu sprechen. Sie drücken Ihre Gefühle aus und lernen, mit ihnen umzugehen. Für ganz kleine Kinder ist das Zeichnen ein geeignetes Ausdrucksmittel», sagt die Kinderexpertin.

Im Hinblick auf die Demobilisierung von Kindersoldaten werden Verhandlungen und Schulungen durchgeführt, um die Wiedereingliederung der Kinder in die Gesellschaft zu fördern und ihnen Zukunftsperspektiven zu bieten. Kinder, die wegen mutmasslichen Verbindungen zu bewaffneten Gruppen inhaftiert sind, werden ebenfalls unterstützt, um ihnen die Rückkehr in die Gesellschaft zu erleichtern.

«Die Ergebnisse sind positiv, auch wenn die Bedürfnisse weltweit enorm sind und leider laufend zunehmen. Es ist erstaunlich, dass wir bisweilen mit sehr einfachen Initiativen sehr viel bewirken können», schliesst Petra Heusser.


Weltweit

30 Millionen vertriebene Kinder
25% der Jugendlichen zwischen 13 und 24 Jahren in Kriegsgebieten leiden unter sexueller Gewalt
Beinahe 50% der Kinder in Krisengebieten weisen erhebliche Symptome einer psychosozialen Störung auf
15% der Kinder in Krisengebieten müssen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen
Zehntausende Kinder werden als Soldaten ausgebeutet

Mehr Informationen

Jahrestagung der Humanitären Hilfe und desSchweizerischen Korps für humanitäre Hilfe 2017, EDA

Die humanitären Prinzipien auf demStundenplan, EDA

Humanitäre Hilfe: Leben retten und Leidenlindern, EDA

UNICEF

Neue Studie zu den psychologischen Folgendes Krieges auf Kinder, Save the Children

Mrz 22
Multilaterale Zusammenarbeit: Ein Engagement mit Wirkung

Es gibt eine Organisation, in der sich alle Länder der Welt auf 17 universelle Entwicklungsziele zur Beseitigung der Armut, zur Bekämpfung von Ungerechtigkeit und Ungleichheit, zur Bewältigung des Klimawandels und zum Aufbau einer besseren Welt geeinigt haben. Gemeint sind die Vereinten Nationen.

Es gibt eine Organisation, die zweistellige Milliardenbeträge in US-Dollar für den Wiederaufbau und die Entwicklung der ärmsten Länder investiert und dort die nötigen Rahmenbedingungen für Privatinvestitionen schafft. Sie verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Sie will für jeden US-Dollar, den sie von ihren Geldgebern erhält, 3 US-Dollar investieren. Gemeint ist die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) der Weltbank.

Es gibt einen Fonds, der über 22 Millionen Menschenleben gerettet hat dank seinem Engagement zur Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose. Gemeint ist der Globale Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria

Es gibt eine Initiative, die die grössten Unternehmen der Welt dazu einlädt, zehn Grundsätze im Bereich Menschenrechte, Arbeitsnormen, Ökologie und Korruptionsbekämpfung zu respektieren. Sie zählt rund 13'000 Mitglieder. Gemeint ist der Globale Pakt der UNO (UN Global Compact).

Es gibt ein Panel, dem hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft angehören. Es schlägt Lösungen vor, um grenzüberschreitende Wasserkonflikte zu verhindern und einzudämmen. Gemeint ist das Panel zu Wasser und Frieden.

Es gibt eine Institution, die jedes Jahr 35 Millionen Kindern Zugang zu Trinkwasser, Impfungen und Schulbildung ermöglicht. Gemeint ist UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.

Es gibt ein Übereinkommen, das von rund 200 Ländern verabschiedet wurde, die sich alle dazu verpflichtet haben, ihre CO2-Emissionen zu senken und die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen bei der Bewältigung der Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu unterstützen. Gemeint ist das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen.

Es gibt ein Land, das in den Ausschüssen und Versammlungen dieser Organisationen, Fonds, Initiativen und Übereinkommen Einsitz hat, das dort seine Interessen vertritt, das von der internationalen Gemeinschaft als glaubwürdiger Partner wahrgenommen wird, das der fünftwichtigste Lieferant von Gütern und Dienstleistungen der Vereinten Nationen ist und in dem sich das zweitwichtigste Zentrum für globale Gouvernanz befindet. Dieses Land ist die Schweiz.

Es gibt ein Engagement, das die bilaterale Zusammenarbeit und die humanitäre Hilfe ergänzt, das neben den genannten Beispielen weltweit Wirkung zeigt.

Gemeint ist das multilaterale Engagement!

Dominique Favre, stellvertretender Chef des Direktionsbereichs Globale Zusammenarbeit der DEZA

 

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No, this isn't actually my picture. I just haven't gotten around to updating this section. It's good to know that someone is reading every last word though. Thanks!