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Mai 22
Die Schweiz engagiert sich für die Opfer der Syrienkrise

​«Stellen Sie sich eine Stadt in der Grössenordnung von Neuenburg oder Sitten mitten in der Wüste vor, auf einer Ebene ohne die geringste Erhebung, ohne einen Baum, in glühender Hitze, mit Hütten aus Blech, eine gleich wie die andere, rechtwinkligen Strassen und nichts als Zäunen am Horizont, die Sie daran erinnern, dass Sie nicht wirklich frei sind: Das ist das Bild, das sich einem bei einem Besuch in Azraq bietet, einem Flüchtlingslager unweit der jordanischen Hauptstadt Amman, wo 35 000 Personen vor den Gräueln des Kriegs in Syrien Zuflucht gefunden haben.

Und bis vor kurzem hatten die Menschen hier keinen Zugang zu fliessendem Wasser. Das Wasser musste mit Tanklastwagen zu den Abgabestellen gebracht werden. Ich habe das Lager in Azraq zweimal besucht: Im Oktober 2015 und letzte Woche. Bei meinem ersten Besuch haben wir uns im Namen der Schweiz zusammen mit unseren jordanischen Partnern, dem UNHCR und UNICEF verpflichtet, das Lager mit fliessendem Wasser zu versorgen.

  © EDA

Das ist nun geschehen, und es war für mich sehr bewegend, zusammen mit den Einwohnerinnen und Einwohnern des Lagers ein paar Schlucke Wasser zu trinken. Viele Kinder sind trotz der unvorstellbar schwierigen Lebensbedingungen und der Tragödien, die sie erlebt haben, Kinder geblieben: lebhaft, laut, aufmüpfig und schelmisch. Kinder, für die es sich lohnt, sich zu engagieren, damit sie ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft bewahren.

Sagen, was man macht – machen, was man sagt

Und die Schweiz engagiert sich. Indem sie sagt, was sie macht, und indem sie macht, was sie sagt, wie das Beispiel des Baus der Wasserversorgungsanlage im Lager von Azraq zeigt. Dank der neuen Anlage entfällt der bisherige Wassertransport mit Tankwagen, was Einsparungen von über einer Million Franken pro Jahr ermöglicht. Dieses Geld kann fortan für andere dringliche Projekte beispielsweise in den Bereichen Bildung und Gesundheit oder zur Schaffung von Arbeitsplätzen eingesetzt werden.

Denn die Kinder, mit denen ich etwas Zeit verbracht habe, sind die Erwachsenen von morgen. Im besten Fall werden sie sich als gut ausgebildete und gesunde Menschen am Wiederaufbau ihres Heimatlandes Syrien beteiligen. Und sollte es noch länger dauern, bis Friede einkehrt, müssen sie auch die Möglichkeit haben, dank einer Ausbildung Arbeit in den Ländern der Region zu finden, anstatt ein flüchtiges Glück in Europa oder den USA zu suchen.


  © EDA

Die Schweiz hat auf die Syrienkrise mit der grössten humanitären Operation ihrer Geschichte reagiert. Die Hilfe konzentriert sich insbesondere auf die Nachbarländer Syriens – Jordanien und den Libanon. Wir führen unser Engagement fort. In Syrien selbst sind die Bedürfnisse aber ebenfalls enorm und dringend. Um möglichst wirkungsvoll helfen zu können, werden wir im Herbst dieses Jahres ein Büro in Damaskus eröffnen. Dieses wird die Aufgabe haben, die Bereitstellung einer neutralen, unabhängigen und unparteilichen Hilfe zugunsten aller Menschen in Syrien zu koordinieren».

Didier Burkhalter

Mai 19
Laufen für die Nachhaltigkeit am GP Bern

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesverwaltung sowie deren Familien und Freunde ​machten ​am GP Bern auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der UNO aufmerksam.

50 motivierte Läuferinnen und Läufer standen am 36. Grand Prix von Bern für das Team «Running for 2030» an der Startlinie. Bereits zum zweiten Mal hat die Abteilung Globale Institutionen der DEZA und das Team Agenda 2030 zur Teilnahme aufgerufen, um die Öffentlichkeit für die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der UNO zu sensibilisieren. Bei angenehmen 19 Grad und unter stürmischem Himmel startete das Team «Running for 2030» zum Lauf, unterstützt von den Zurufen von Tausenden von Zuschauern und verschiedenen Musikformationen. Das Team beendete die verschiedenen Strecken erfolgreich.


Michael Gerber (v.l), Botschafter und Sonderbeauftragter für globale nachhaltige Entwicklung, Nicole Ruder, Chefin Globale Institutionen und Stefan Lügstenmann, Team Agenda 2030 (alle DEZA).

Der Grand Prix ist gemeistert, doch die Agenda 2030 hat noch eine weite Strecke vor sich. Seit dem Startschuss im September 2015 sind die Schweiz und die Weltgemeinschaft bemüht, die 17 SDGs bis ins Jahr 2030 zu verwirklichen. Dafür braucht es die Mitarbeit jedes und jeder Einzelnen. Michael Gerber erklärt im Gespräch, wie es aktuell um die Umsetzung der Agenda 2030 steht und welche Rolle der Schweiz dabei zukommt.

Herr Gerber, warum laufen Sie 16km durch Bern, um auf die Agenda 2030 aufmerksam zu machen?

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung kann nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn sie bekannt ist und von möglichst vielen gesellschaftlichen Akteuren mitgetragen wird. Dazu gehören staatliche Institutionen, Unternehmen, die Wissenschaft, aber nicht zuletzt auch die Bürgerinnen und Bürger. Alle können dazu beitragen, dass wir zukünftigen Generationen eine prosperierende und intakte Welt hinterlassen. Allerdings sind die Agenda 2030 und ihre Ziele noch nicht bekannt genug. Der Grand Prix von Bern ist ein ausgezeichneter Anlass, um die Agenda aufmerksam zu machen.

Was kann jeder einzelne zur Umsetzung der Agenda 2030 beitragen?

Wir können beispielsweise auf unseren persönlichen Konsum und Ressourcenverbrauch achten. Der ökologische Fussabdruck der Schweiz in der Welt ist gross, die Auswirkungen unseres Verhaltens spüren oftmals die Menschen im Ausland. So fallen z.B. 82% unseres Wasserverbrauchs im Ausland an, was gerade in Ländern mit beschränkten Wasserressourcen zu Problemen führt. Ausserdem haben viele Leute eine Rolle in der Privatwirtschaft, forschen an einer Hochschule an neuen Lösungen oder engagieren sich in einer zivilgesellschaftlichen Organisation, in der Gemeinde oder in einem Verein. Auch dort können wir zu gesellschaftlichen Verhaltensänderungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Ich bin überzeugt, dass jede und jeder einzelne einen Unterschied machen kann!

Im Herbst 2012 setzte der Bundesrat Michael Gerber als Botschafter und Sonderbeauftragten für die Vertretung in den internationalen Verhandlungen und Gremien zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sowie zur Erarbeitung der Schweizer Position ein. Am 14. Januar 2015 erteilte er ihm das Mandat, die Schweizer Delegationen in den zwischenstaatlichen Verhandlungen an der UNO zur Agenda 2030 sowie zu deren Finanzierung und Umsetzung im Rahmen der Addis Abeba Aktionsagenda zu leiten.

Wo steht die Schweiz aktuell in der Umsetzung der Agenda 2030 im eigenen Land?

Zuerst ist es wichtig zu erwähnen, dass die Agenda 2030 universell, d.h. für alle Länder gültig ist. Somit ist auch die Schweiz aufgefordert, die Agenda umzusetzen. Der Bund ist momentan dabei, eine systematische Bestandsaufnahme über den Stand der Umsetzung der Agenda 2030 zu machen und den Handlungsbedarf in den verschiedenen Zielbereichen aufzuzeigen. Innerhalb von zwei «Transitionsjahren» (2016-2017) wird ein Schweizer Umsetzungssystem etabliert, wodurch es uns künftig möglich sein wird, regelmässig und genau über Fortschritte Bericht erstatten zu können. Der Bundesrat wird im Frühling 2018 darüber befinden und die Stossrichtung für die darauffolgenden Jahre vorgeben.

Was kann die Schweiz zur globalen Umsetzung der Agenda 2030 tun?

Die Schweiz ist beispielsweise über ihre internationale Zusammenarbeit schon in vielen Zielbereichen tätig und hat viel Expertise einzubringen. Wir unterstützen Partnerländer bei der Umsetzung und stehen in engem Austausch mit anderen Ländern, um gegenseitig von Erfahrungen lernen zu können. Zudem bringt die Schweiz die Agenda 2030 auch auf politischer und multilateraler Ebene voran und setzt sich für einen wirkungsvollen globalen Überprüfungsmechanismus ein.

 

Die Agenda 2030
  • Die Agenda 2030 enthält 17 ambitionierte Ziele, um die Welt auf einen nachhaltigeren Entwicklungspfad zu bringen. Mehr


Mai 16
Vietnam: «Es ist schön, ein Programm zu schliessen, wenn der Grund dafür der Rückgang der Armut ist.»

​Nach 25-jähriger Tätigkeit in Vietnam richtet die Schweiz ihre Unterstützungsstrategie für dieses Land neu aus. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hat ihr Büro in Hanoi geschlossen und den Stab an das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) übergeben, das die Kooperation im Bereich der Wirtschaftsentwicklung fortsetzen wird. Samuel Wälty, DEZA-Koordinator von Juli 2011 bis Anfang 2016, zieht eine positive Bilanz. Interview.

Abschied für Samuel Wälty in der Residenz der Schweizer Botschaft mit Botschafterin Beatrice Maser (ganz rechts) und Mitarbeitenden des Kooperationsbüros der DEZA in Vietnam. © Schweizer Kooperationsbüro in Vietnam

Herr Wälty, was war Ihre Aufgabe in Vietnam?

Im Juli 2011 trat ich in Hanoi meine Stelle als Chef des DEZA-Programms und des Schweizer Kooperationsbüros in Vietnam an.

Damals stand bereits fest, dass die bilaterale Zusammenarbeit der DEZA in Vietnam durch das SECO-Programm abgelöst wird. Eine meiner wichtigsten und sicher auch heikelsten Aufgaben war die Planung und Umsetzung dieser Übergabe und die Beendigung des DEZA-Programms. Hier war insbesondere verantwortungsvolles Handeln gefragt. Es war wichtig, dass die Angestellten bis zum Schluss bleiben und dass akzeptable Lösungen gefunden werden für jene, deren Stellen abgeschafft wurden.

Da mit dem SECO-Programm eine Fortsetzung geplant war, mussten wir unsere Partner darüber informieren, dass die Beendigung des bilateralen Engagements der DEZA kein Ende der Aktivitäten der Schweiz in Vietnam bedeutete, sondern lediglich eine Verschiebung des Fokus der Schweizer Kooperation auf den Bereich der Wirtschaftsentwicklung.

Was nehmen Sie mit von dieser Erfahrung?

Bei meinem vorangehenden Einsatz im Kosovo lag der Schwerpunkt auf dem Aufbau des Schweizer Programms (DEZA und SECO), dessen Ziel es war, den neu gegründeten Nationalstaat kurz nach der Erlangung der Unabhängigkeit zu unterstützen. In Vietnam war die Aufgabe gerade umgekehrt. Meine Arbeit bestand darin, das bilaterale Programm der DEZA zu beenden. Gleichzeitig widerspiegelte sich darin auch meine persönliche Laufbahn, denn meine Pensionierung fiel fast mit dem Ende des DEZA-Programms in Vietnam zusammen. Für mich war dies eine stimulierende Herausforderung. Aber ich bin froh, dass ich diese Erfahrung am Ende meiner Karriere gemacht habe und nicht früher.

Wenn ein Programm geschlossen wird, gibt es keine Möglichkeiten für weitere Verbesserungen oder neue Projektideen. Der Fokus muss auf dem Bewährten liegen. Es darf keine Energie und kein Geld verschwendet werden, um Dinge zu verbessern, die nicht gut funktionieren. Ziel war es, erfolgreiche Projektansätze in das Verwaltungssystem zu integrieren, indem wir gemeinsam mit unseren vietnamesischen Partnern attraktive und taugliche Modelle entwickelten und uns danach dafür einsetzten, dass sie institutionalisiert werden.

Es ist schön, ein Programm zu schliessen, wenn der Grund dafür der Rückgang der Armut ist: von 60 auf 13% von 1992 bis 2015. Gleichzeitig schmerzt die Tatsache, dass immer noch mehr als 10 Millionen Menschen, d.h. mehr als die gesamte Bevölkerung der Schweiz, unter der Armutsgrenze leben.

Welches ist Ihre schönste Erinnerung?

Es ist schwierig, nur eine zu nennen. Beruflich war der 6. Juli 2015 ein Höhepunkt. An diesem Tag genehmigte das Parlament unserer Partnerprovinz Hoa Binh 5 Millionen US-Dollar für die Finanzierung partizipatorischer Planungsprozesse auf Gemeindeebene und kleiner Infrastrukturvorhaben für die nächsten fünf Jahre (2016–2020). Dadurch wurde sichergestellt, dass die wichtigsten Elemente unseres gemeinsamen Projekts innerhalb des Verwaltungssystems auch nach Beendigung des DEZA-Programms weiter existieren werden. Erfreulich war auch, dass die von der DEZA unterstützten jährlichen Umfragen über die Qualität der Leistungen der Provinzverwaltung (Transparenz, Dienstleistungen und Korruption), an denen 13’000 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen, auf immer grösseres Interesse in der Bevölkerung stiessen. Kürzlich stellte ich erfreut fest, dass die New York Times und ein deutsches Kompendium über politische Systeme auf diese jährlichen Umfragen hinwiesen.

Ich bin aber auch sehr froh darüber, dass ein Projekt zur Verbesserung des Marktzugangs für arme Menschen in ländlichen Gebieten innerhalb von drei Jahren für jeden investierten Schweizer Franken zusätzlich 1,80 Franken Einkommen generierte für Haushalte von Angehörigen ethnischer Minderheiten. Ein Jahr nach Abschluss des Projekts erzielten noch mehr Haushalte Einnahmen aus Produkten, die zuvor vom Projekt gefördert wurden. Ein Beweis für die Fähigkeit und Entschlossenheit unserer vietnamesischen Partner ist der Umstand, dass in allen DEZA-Projekten nur eine Vollzeitstelle mit einer Person besetzt wurde, die nicht vietnamesische Staatsangehörige ist.

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No, this isn't actually my picture. I just haven't gotten around to updating this section. It's good to know that someone is reading every last word though. Thanks!