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Feb 20
Die Schweiz an der Winterolympiade in Pyeongchang in 8 Hashtags

Vom 9. bis 25. Februar 2018 finden in Pyeongchang die Olympischen Winterspiele statt. 168 Schweizer Sportlerinnen und Sportler nehmen daran teil. Das House of Switzerland im olympischen Dorf ist pulsierender Treffpunkt für Besucherinnen und Besucher, Athletinnen und Athleten sowie Sportbegeisterte aus aller Welt. Ambiente, Ereignisse und Storys in 8 #Hashtags.

#Sportler

Insgesamt 2925 Sportlerinnen und Sportler aus 92 Ländern nehmen an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang, Südkorea, teil. Sie alle messen sich in 15 Disziplinen: Biathlon, Bob, Nordische Kombination, Curling, Eishockey, Schlitteln, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Short Track, Skispringen, Skeleton, Ski Freestyle, Ski Alpin, Langlauf und Snowboard.

#SchweizerChalet

Das House of Switzerland empfängt Besucherinnen und Besucher im olympischen Dorf. «Mit unserem Gästehaus wollen wir die Schweizer Wintersport-DNA bekannt machen. Bei uns wähnt man sich in einem Skigebiet: Skifahrer stoppen ihre rasante Fahrt direkt vor unserem Haus, man hört die Pucks auf dem Eishockeyfeld über das Eis schiessen, in der Luft hängt der Duft von Raclette, Fondue und Glühwein, die unter freiem Himmel genossen werden. Und natürlich kommt Begeisterung auf, wenn Schweizer Sportlerinnen oder Sportler ihre Fans treffen. Auch Kameras und Mikrofone fehlen nicht für die unzähligen Reportagen der Medien vor Ort», erläutert Botschafter Nicolas Bideau, Chef des House of Switzerland, direkt aus Pyeongchang.

Direkt unterhalb der Skipiste wartet das House of Switzerland auf 1400 Quadratmetern mit einem Eisfeld, Restaurants und Bars, Grossbildschirmen, kleinen Chalets mit einem Markt und Konferenzräumen auf. Hier finden auch zahlreiche Veranstaltungen statt wie Konzerte, Skiunterricht, Hockeyspiele, Medaillenfeiern usw.

Standort des Schweizer Chalets

Video: Mit Ski und Snowboard zum House of Switzerland

Video: Auftritt der Sängerin Veronica Fusaro

Video : Hockeyspiel Schweiz gegen Schweden


Das House of Switzerland während den Olympischen Winterspielen in Südkorea. ©PRS 

#Gastronomie

Im House of Switzerland werden Schweizer Spezialitäten serviert. Dazu gehören Raclette, Fondue, Cordon bleu und andere typische Gerichte. Eindrückliches am Rande: Ebenfalls den Weg von der Schweiz bis nach Pyeongchang fanden 253 Liter Fruchtsäfte, 11’000 Nespresso-Kapseln und 206 Kilo Müesli.

#HoppSwiss

Die Schweiz nimmt zum 23. Mal an Olympischen Winterspielen teil. Die Schweizer Delegation in Pyeongchang umfasst 168 Athletinnen und Athleten, 88 Männer und 80 Frauen. Es ist das bislang grösste Schweizer Olympia-Team aller Zeiten. Die Schweizer Sportlerinnen und Sportler nehmen an 13 von 15 Sportevents teil, die auf dem Programm stehen. In den Disziplinen Eiskunstlauf und Short Track ist die Schweiz diesmal nicht vertreten.

«Die Vielfalt der Schweizer Delegation hat mich beeindruckt. Die Hälfte der Schweizer Athletinnen und Athleten nehmen zum ersten Mal an Olympischen Spielen teil. Es ist schön zu sehen, wie sich die arrivierten Sportler um diese Neulinge kümmern. Man spürt auch, dass wir wirklich eine Wintersportnation sind, denn die Schweiz ist in fast allen Disziplinen präsent», meint Nicolas Bideau weiter.

Die Schweiz nimmt auch an den Winter-Paralympics teil, die vom 9. bis 18. März 2018 stattfinden.

#Medaillen

Die Schweiz holte am 13. Februar ihre erste Medaille: Das Duo Jenny Perret und Martin Rios gewann Silber im Mixed-Curling. «Im House of Switzerland herrschte eine ganz besondere Atmosphäre. Man spürte den Stolz des Publikums auf diese Leistung und auch auf unser Land. Diese erste Medaille wurde denn auch gebührend gefeiert», freut sich Botschafter Bideau. Zwei Tage später, am 15. Februar, gewann Beat Feuz eine weitere Medaille für die Schweiz, nämlich Bronze in der Abfahrt. Am 16. Februar holte Dario Cologna die erste Goldmedaille für die Schweiz. Er gewann das Rennen über 15 km Langlauf. Silber holten Beat Feuz im Super-G und Wendy Holdener im Slalom. Die Ski-Freestylerinnen Sarah Höfflin und Mathilde Gremaud holten mit ihrem 1. und 2. Platz olympisches Gold und Silber. Eine weitere Silbermedaille bescherte uns Marc Bischofberger im Skicross. Im Alpinski gab es Medaillen von Ramon Zehnhäusern im Slalom (Silber) und den Doppelsiegerinnen Michelle Gisin (Gold) und Wendy Holdener (Bronze) in der Kombination. Am 23. Februar holte die Schweiz zwei Bronzemedaillen dank dem Curlingteam und im Skicross durch Fanny Smith.

Video: Das House of Switzerland feiert die erste Medaille

Liste der Schweizer Medaillen, Swiss Olympic



1. Jenny Perret und Martin Rios holten Silber im Mixed-Curling. © PRS        
2. Beat Feuz holte die zweite Medaille für die Schweiz. ©Keystone
3. Dario Cologna gewann als erster eine Goldmedaille. ©Keystone
4. Dario Cologna, Beat Feuz und Wendy Holdener mit Gold und Silber. ©Keystone

#Meteo

Auch in Pyeongchang ist der Winter streng. Die Temperaturen schwanken in dieser Jahreszeit zwischen –8°C und 5°C. Dieses Jahr zeigt sich der Winter von seiner ganz eisigen Seite. Es ist bitter kalt. Das Quecksilber ist bis auf –20°, gefühlsmässig sogar auf –26°C gefallen. «Für das House of Switzerland ist die Kälte Gift. Bei –20° C und dem eisigen Wind wollen sich Besucherinnen und Besucher kaum in einem Aussenbereich aufhalten. Da ist auch der Schweizer Glühwein machtlos. Es soll jedoch bald besser werden …», erklärt Nicolas Bideau.

#Besucher

Als eines der wenigen Nationenhäuser ist das House of Switzerland offen für alle. Ob Koreaner, ausländische Touristen, in Korea lebende Schweizer, Sportler oder Journalisten, sie alle erleben hier die Schweizer Aufgeschlossenheit und Gastfreundschaft. Das House of Switzerland empfängt im Durchschnitt mehr als 1000 Besucher pro Tag. Sie wollen vor allem eines: das Maskottchen Heidi fotografieren.





Die Skifahrerin Jasmin Flury neben dem Maskottchen «Heidi». ©PRS

#Schweiz-Korea

Seit über 50 Jahren ist das Jodeln ein Exportschlager in Südkorea. Einige Koreaner beherrschen diese Gesangskunst ausgezeichnet. Wie die Mr. Bang Group, die an der Olympiade mit ihrem Live-Auftritt beim House of Switzerland begeistert:

Vidéo: Die Koreaner, das Jodeln und das House of Switzerland

Die Schweiz unterhält zudem enge Beziehungen mit Südkorea. Die Schweiz ist Mitglied der Überwachungskommission Neutraler Staaten (NNSC) in Korea, die im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens vom 27. Juli 1953 gegründet wurde. Die zwei Länder arbeiten auch in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Forschung und Innovation aktiv zusammen.

Feb 12
Die Schweiz und ihre «Helden»: Hommage an Carl Lutz

„Von Diplomaten wird nicht erwartet, dass sie als Helden Risiken auf sich nehmen. Dass ein Schweizer Diplomat in einem fremden, von Nazi-Deutschland besetzten Land für Humanität einsteht und sein Leben riskiert - und das nicht nur einmal sondern mehrfach - ist besonders mutig“ Die Aussage stammt von Michael Vertes, einem Mann, der sein Leben Carl Lutz verdankt.

Ich traf Michael Vertes, der leider seither verstorben ist, vor über zehn Jahren in New York an einer Lutz-Ausstellung in der Park East Synagoge in New York. Wie viele andere Gerettete auch, ist er Carl Lutz nie persönlich begegnet. Er stand zwar zwar mit seiner Mutter vor dem Glashaus, um einen Schutzbrief zu erhalten, er hat sich sogar auf einer der Fotos erkannt, trotzdem wusste er nur, dass ihn und seine Familie ein Schweizer Schutzbrief gerettet hat. Er hat erst Jahre später erfahren, dass Carl Lutz die Rettungsaktion durchgeführt hatte. 


Verbittert und einsam 


Mein Stiefvater, Carl Lutz verstarb im Februar 1975 verbittert und einsam. Nicht, weil seine Tat von verschiedener Seite – Yad Vashem, Deutschland und USA – nicht gewürdigt worden wäre, sondern weil der „Dank des Vaterlandes“ ausblieb, wie er es formulierte.

Er, der zwanzig Jahre in Amerika gelebt hat und mehrere Jahre in Palästina wirkte, litt zeitlebens unter Heimweh. Als er im Frühling 1945, von den Strapazen des Krieges gezeichnet aus Budapest zurückkehrte hatte er einen würdigen Empfang erwartet. Stattdessen hiess es an der Grenze „Haben Sie etwas zu verzollen?“ – wie er später mit seinem Appenzeller Humor, aber mit einer gewissen Bitterkeit, zu erzählen pflegte. 

 

Wäre er heute mit seinem „Vaterland“ zufrieden? Ich denke schon, denn in den letzten Jahren hat sich sehr viel getan. Seine Rettungsaktion liegt 70 Jahre und sein Tod über 40 Jahre zurück. Seither haben Historiker und Politiker die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg gründlich erforscht und beleuchtet. Die offizielle Schweiz hat mutig auch Fehler zugegeben.  

Wo stehen wir heute? 


Können wir uns heute der Vergangenheit stellen? Wird die mutige aber etwas eigenmächtige Tat eines Schweizer Diplomaten aus heutiger Sicht anders beurteilt? Ich denke JA. Ich war kürzlich dabei, wie angehende junge Schweizer Diplomaten den Schweizer Dokumentarfilm „Carl Lutz – der vergessene Held“ angeschaut und nachher darüber diskutiert haben.

Sie fragten sich, ob sie in einer solchen Situation im Krieg den Mut gehabt hätten, gegen den Strom zu schwimmen und sich gegen die feindlichen Elemente aufzulehnen und sogar ohne den Auftrag oder Einverständnis der eigenen Regierung zu handeln.

Hätten Sie es gewagt, ihrem Gewissen zu folgen, rasch zu entscheiden, selbst wenn sie ihre Kompetenzen Überschritten hätten, wie es Vizekonsul Carl Lutz getan hat? Die jungen Diplomaten, im Wissen um die Verantwortung, die ein Diplomat gegenüber seinem Land hat – beleuchteten die Frage kritisch. Sie waren sich darin einig, dass es Mut braucht, im entscheidenden Moment das Richtige zu tun und dabei sogar gegen die Vorschriften zu handeln. Carl Lutz hat Zivilcourage bewiesen und ist seinem Gewissen gefolgt.


"Verängstigte Juden bitten um Schutzbriefe, Oktober/November 1944 in Budapest“ © Archiv für Zeitgeschichte ETH Zürich / Agnes Hirschi, NL Carl Lutz / 271:2.

Holocaust in neuem Licht

Warum tut sich die Schweiz so schwer mit der Ehrung von verdienten Eidgenossen? Warum werden die Taten mutiger Männer wie Paul Grüninger oder Carl Lutz erst nach Jahrzehnten gewürdigt? Warum stösst heute eine Ausstellung wie „The last Holocaust Survivors“ heute auf ein grosses Interesse? Wieso wird endlich auch in Schweizer Schulen der Holocaust thematisiert? Es scheint, dass es den nötigen Abstand zu den Ereignissen im und nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte, damit man klarer sehen und objektiver urteilen kann. Dazu kommt, dass die Zeitzeugen sehr alt sind und bald nicht mehr in der Lage sein werden, Zeugnis abzulegen. Und doch sollte die Erinnerung an die schreckliche Zeit nicht verloren gehen und auch an kommende Generationen weitergegeben werden.

«Wäre Carl Lutz heute mit seinem „Vaterland“ zufrieden? Ich denke schon.» Agnes Hirschi


"Meine Wohnung, die britische Gesandtschaft in Budapest nach der Zerstörung, die wir drei Monate lang im Luftschutzkeller durchstanden.“ © Archiv für Zeitgeschichte ETH Zürich / Agnes Hirschi, NL Carl Lutz / 272:23.


Ich begrüsse es, dass jetzt auch die offizielle Schweiz aktiv geworden ist. Die IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) hat die Herausgabe des Buches mit Aussagen von Zeitzeugen, die von Carl Lutz gerettet wurden, ermöglicht und jetzt ist im Bundeshaus ein wichtiges Sitzungszimmer nach ihm benannt. Das bedeutet, dass auch Parlamentarier und alle, die im Bundeshaus verkehren oder es besuchen, mit den Ereignissen in Budapest konfrontiert werden. Eine Tafel mit den Namen aller in Budapest an der Rettung von Juden Beteiligten wird dies ermöglichen. Wie glücklich wäre mein Stiefvater Carl Lutz mit dieser Entwicklung!

Von Agnes Hirschi.

***


Agnes Hirschi ist die Stieftochter von Carl Lutz.
Agnes Hirschi kam kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in London zur Welt. Die ersten Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Budapest. Sie überlebte die letzten Monate des Krieges in einem Luftschutzbunker, zusammen mit der Familie von Carl Lutz. Seit 1949 lebt Agnes Hirschi in der Schweiz. Carl Lutz heiratete ihre Mutter im selben Jahr. Sie studierte Journalismus in Bern und arbeitete für eine Tageszeitung. Nach dem Tod ihres Stiefvaters fördert sie das Andenken an ihn und kümmert sich um seinen Nachlass.


Carl Lutz
© Keystone

Wer ist Carl Lutz?

Carl Lutz (1895-1975), während des Zweiten Weltkriegs Vize-Konsul bei der Schweizer Gesandtschaft in Budapest und Vertreter der Britischen Interessen in Ungarn, setzte sich 1944 und 1945 mit jüdischen Organisationen und seinem Team für ungarische Juden ein. Indem er ihnen Schutzbriefe ausstellte, hat er dazu beigetragen, Zehntausende Juden zu retten.
 

Carl Lutz im Bundeshaus geehrt

Am 12. Februar 2018, dem 43. Todestag von Carl Lutz, hat das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) seinen wichtigsten Sitzungsraum im Bundeshaus West auf den Namen «Salle Carl Lutz» getauft. Hier finden die Treffen von Kadern und Mitarbeitenden des EDA statt, und es werden wichtige aussenpolitische Entscheidungen getroffen. Eine Gedenktafel fordert sie auf, sich in ihrer täglichen Arbeit von den Werten der Menschlichkeit und des Mutes inspirieren zu lassen, von denen sich Carl Lutz und sein Team vor über 70 Jahren in Ungarn leiten liessen.

Feb 06
Neue Lern-App «Fliehen vor dem Holocaust»

​Es gibt im Schulunterricht kaum ein schwierigeres Thema als den Holocaust. Worin liegt der Sinn, Kindern und Jugendlichen das absolut Böse der Nationalsozialisten zu zeigen oder die unendliche Hoffnungslosigkeit von verfolgten Menschen zu vermitteln? Und doch gehört der Holocaust zum Grundkanon der Vermittlung. Alle sind überzeugt, dass heutige Jugendliche wissen müssen, wie schnell sich eine Demokratie zu einer verbrecherischen Diktatur wandeln kann, wenn Volksverhetzer und Rassisten die Macht übernehmen.

Das EDA hat sich aus Anlass des Schweizer Vorsitzes der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit Fachleuten die Vermittlung dieses schwierigen Themas zu modernisieren und jugendgerecht mit digitalen Medien zu unterstützen.

Aktuelle Herausforderungen bei der Thematisierung des Holocaust in der Schule

Lehrpersonen müssen beim Thema Holocaust nicht nur grosse thematische Herausforderungen bewältigen, sie sind heute noch mit zusätzlichen Problemen konfrontiert:

Erstens «verstummen die Zeitzeugen». Überlebende waren bis jetzt mit ihren Zeugenberichten zentral für die Vermittlung des Holocausts.

Zweitens wächst die Anzahl von Medien und Materialien zum Holocaust stark. Es werden neue Quellen gefunden und öffentlich gemacht, neue Darstellungen geschrieben und neue mediale Gattungen geschaffen.

Drittens steigen die didaktischen Ansprüche bei der Vermittlung des Holocausts – und selbstverständlich nicht nur bei diesem Thema.

Viertens muss die Schule auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen reagieren. Sie behandelt neue Themen, etwa Wirtschafts- oder Gesundheitsbildung, Globalisierung oder Digitalisierung. In weiten Teilen der Welt sinkt aber die Unterrichtszeit. In Deutschschweizer Sekundarschulen stehen für die Vermittlung des Zweiten Weltkriegs noch durchschnittlich 16 Stunden zur Verfügung. Für den Holocaust bleiben 7 Stunden.

Wie kann angesichts all dieser Schwierigkeiten der Holocaust heute gut thematisiert werden?

Um LehrerInnen bei der Vermittlung des Holocaust zu unterstützen, entwickelten verschiedene ForscherInnen und LehrmittelentwicklerInnen eine App, die während drei Unterrichtslektionen einen substanziellen Beitrag dazu leisten kann.

Dank finanzieller Unterstützung verschiedener Partner, namentlich des EDA, haben sich Fachleute aus der Schweiz, aus Österreich und Deutschland zusammengetan. Als Thema der Lern-App wurde «Fliehen vor dem Holocaust» gewählt. Dieses Thema bekam in den letzten Jahren eine neue exemplarische Bedeutung: Erneut werden Menschen vertrieben, in Kriegshandlungen verwickelt, verfolgt, mit dem Tod bedroht und müssen fliehen, um ihr Leben zu retten.


Kernideen

In der Entwicklungsarbeit konnte sich das Team auf eigene Forschungen und Erfahrungen abstützen. Vor der eigentlichen Entwicklung wurde eine Pilot-App gebaut und im Unterricht erforscht und evaluiert. Aus dem Pilotprojekt wurden 4 Kernideen gewonnen:

1. Im Zentrum der App stehen videographierte Zeitzeugeninterviews mit Menschen, die über ihre Erlebnisse berichten. SchülerInnen sollen diesen Fliehenden begegnen, ihren Namen kennen, ihr Gesicht sehen, ihre Geschichte hören und verstehen.

2. Deutschsprachige Jugendliche sollen zu den ausgewählten Menschen einen direkten Bezug herstellen können, sei es, weil die Geschichten in ihrer Lebensumwelt spielen, sei es, weil grosse Fragen der Jugendlichen wie Liebe, Vertrauen, Schule, Familie oder Freizeit thematisiert werden.

3. Die Lernenden müssen zum Erzählen gebracht werden: Während der Arbeit mit der App erstellen die Lernenden ein Album, in dem sie Materialien sammeln, ordnen und kommentieren. Diese Dokumentation wird am Schluss der Begegnung in einem pdf-File dokumentiert. Das pdf-File verschicken die Lernenden an jemanden ihrer Wahl - und in schulischen Zusammenhängen zusätzlich an die Lehrperson.

4. Die App soll auch ein variables Lehrangebot für die Lehrperson sein. Für den Einsatz der App bieten sich drei Unterrichtsmöglichkeiten an: Einzel- oder Kleingruppenarbeiten im Klassenzimmer am je eigenen Gerät; Präsentation via Beamer oder interaktivem Whiteboard durch die Lehrperson; oder die Lernenden nutzen die App zu Hause und die von ihnen erstellten Alben werden danach im Klassenzimmer verhandelt.

© Peter Gautschi

Perspektiven

Natürlich wird mit der App angestrebt, dass sich Jugendliche neues Wissen über den Holocaust aneignen, dass sie lernen, mit videographierten Zeitzeugen-Interviews umzugehen, und dass sie neue Einstellungen aufbauen, insbesondere im Umgang mit Menschen auf der Flucht. Und natürlich soll die App dazu beitragen, dass Jugendliche lernen, historisch zu denken.

Die Lern-App «Fliehen vor dem Holocaust» geht im Frühsommer 2018 online und kann gratis heruntergeladen werden. Erste Weiterbildungsveranstaltungen für LehrerInnen sind ausgeschrieben, und Lehrerschaft wie auch Schulbehörden sind der App gegenüber sehr offen. Sie freuen sich alle auf eine neue gute Möglichkeit, um den Holocaust heutigen Jugendlichen mit modernen Medien wirksam und interessant zu vermitteln.

Peter Gautschi

ist Dr. phil., Professor für Geschichtsdidaktik, Leiter des Zentrums Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen der Pädagogische Hochschule Luzern.




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No, this isn't actually my picture. I just haven't gotten around to updating this section. It's good to know that someone is reading every last word though. Thanks!