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Mrz 24
Hilfe für Kinder in Kriegsgebieten

​Millionen Kinder sind von Kriegen und bewaffneten Konflikten betroffen. Oft sind sie von ihren Angehörigen getrennt und leben unter prekären Bedingungen, die ihre Entwicklung, Gesundheit und Zukunft beeinträchtigen. Anlässlich der Jahrestagung der Humanitären Hilfe und des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) erklärt Petra Heusser, Mitglied des SKH und Kinderexpertin bei UNICEF, welche Anstrengungen unternommen werden, um den Mädchen und Jungen, den Neugeborenen, Kindern oder Jugendlichen zu helfen.

Der Schrecken des Krieges

Krieg. Kindheit. Diese beiden Wörter dürften nie nebeneinander stehen. Und doch ist genau das die Realität von Millionen Kindern auf der Welt. Die Auswirkungen des Krieges auf diese jungen Menschen, die noch verletzlicher als Erwachsene sind, sind verheerend. Der Krieg bringt in jeder Beziehung Elend und Zerstörung. Er zerstört Häuser, Schulen, Spitäler, Spielplätze und raubt den Kindern ihre Grundrechte. Er tötet Familien, Angehörige, Freunde. Er schürt Angst und vernichtet die Geborgenheit, die ein Kind zum Aufwachsen braucht. 

Krieg öffnet dem Missbrauch Tür und Tor. Kinder werden in bewaffnete Gruppen rekrutiert oder als Träger, Informanten, Köchinnen oder Sexsklaven missbraucht. Kinder werden zur Zwangsarbeit genötigt oder müssen arbeiten, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Sie sind zahlreichen Formen der Gewalt ausgesetzt – sexueller, physischer und psychischer Gewalt. Krieg hinterlässt Landminen und andere gefährliche Objekte, die die Menschen auch nach Jahren noch bedrohen.

Oft haben die Kinder und ihre Familien keine andere Wahl, als zu fliehen. Laut der UNO gibt es weltweit 65.3 Millionen Vertriebene aufgrund bewaffneter Konflikte oder fragiler Situationen. Mehr als die Hälfte dieser Menschen sind Kinder, d. h. über 30 Millionen.

Fatale Folgen

Krieg hat zahlreiche Auswirkungen auf die Kinder und bedroht sowohl ihre körperliche als auch ihre geistige Unversehrtheit. «30% bis 50% der Kinder und Jugendlichen, die in einem Kriegsland leben oder gelebt haben, weisen erhebliche Symptome einer psychosozialen Störung auf», sagt Petra Heusser, Mitglied eines UNICEF-Soforteinsatzteams im Bereich Kinderschutz.

«Krieg verursacht viele unsichtbare Wunden. Die Kinder leiden unter Symptomen wie Albträumen, Bettnässen, Sprach- oder Entwicklungsstörungen, Konzentrationsschwäche, Zurückgezogenheit bzw. Aggressivität», erklärt die Expertin. 

«Die Folgen des Kriegs in Syrien zum Beispiel sind für die betroffenen Kinder dramatisch. Laut einer neuen Studie der NGO Save the Children zu den psychologischen Auswirkungen des Krieges auf die syrischen Kinder leidet jedes vierte Kind kriegsbedingt unter äusserst starken psychischen Problemen.»

Die Widerstandskraft der Kinder ist individuell unterschiedlich und hängt vom Rückhalt in der Familie oder der Gemeinschaft ab. Professionelle Hilfe ist jedoch in jedem Fall unerlässlich.

Dringend benötigte Hilfe

Wie kann den Kindern geholfen werden? «Die Bedürfnisse der Kinder in Kriegsgebieten sind zahlreich und spezifisch. Die Hilfsleistungen sind ebenfalls vielfältig und auf die jungen Adressaten ausgerichtet», erläutert Petra Heusser. UNICEF leistet sowohl Nothilfe als auch langfristige Hilfe, unterstützt dabei Regierungen und arbeitet mit etlichen anderen Kinderhilfswerken zusammen. Die DEZA leistet ihrerseits finanzielle Beiträge an zahlreiche Projekte.

Um unbegleiteten Kindern zu helfen, wurden z.B. Massnahmen zur Suche von Angehörigen und Überlebenden eingeleitet. Mehrere Akteure vor Ort kümmern sich um die Suchdienste zur Zusammenführung von Familien. Im Vordergrund steht auch die Sicherheit der Kinder. «Prävention ist ein wichtiger Schwerpunkt unseres Engagements. Wir lehren die Kinder z.B., dass sie Landminen meiden und nicht in zerbombten Häusern spielen sollen.»

Gemeinschaftszentren und Schulen bieten in Zusammenarbeit mit den Familien psychosoziale Betreuung an, um Kindern zu helfen, die namentlich aufgrund von Gewalt und sexueller Nötigung unter psychischen Problemen leiden. «Die Kinder lernen, über ihre schlimmen Erlebnisse, den Krieg und die Gewalt zu sprechen. Sie drücken Ihre Gefühle aus und lernen, mit ihnen umzugehen. Für ganz kleine Kinder ist das Zeichnen ein geeignetes Ausdrucksmittel», sagt die Kinderexpertin.

Im Hinblick auf die Demobilisierung von Kindersoldaten werden Verhandlungen und Schulungen durchgeführt, um die Wiedereingliederung der Kinder in die Gesellschaft zu fördern und ihnen Zukunftsperspektiven zu bieten. Kinder, die wegen mutmasslichen Verbindungen zu bewaffneten Gruppen inhaftiert sind, werden ebenfalls unterstützt, um ihnen die Rückkehr in die Gesellschaft zu erleichtern.

«Die Ergebnisse sind positiv, auch wenn die Bedürfnisse weltweit enorm sind und leider laufend zunehmen. Es ist erstaunlich, dass wir bisweilen mit sehr einfachen Initiativen sehr viel bewirken können», schliesst Petra Heusser.


Weltweit

30 Millionen vertriebene Kinder
25% der Jugendlichen zwischen 13 und 24 Jahren in Kriegsgebieten leiden unter sexueller Gewalt
Beinahe 50% der Kinder in Krisengebieten weisen erhebliche Symptome einer psychosozialen Störung auf
15% der Kinder in Krisengebieten müssen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen
Zehntausende Kinder werden als Soldaten ausgebeutet

Mehr Informationen

Jahrestagung der Humanitären Hilfe und desSchweizerischen Korps für humanitäre Hilfe 2017, EDA

Die humanitären Prinzipien auf demStundenplan, EDA

Humanitäre Hilfe: Leben retten und Leidenlindern, EDA

UNICEF

Neue Studie zu den psychologischen Folgendes Krieges auf Kinder, Save the Children

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