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Jan 06
Schweizer Nothilfe für Tausende von Menschen in Haiti

Sabine Rosenthaler hat im November 2016 drei Wochen in Haiti verbracht. Sie leitete das vor Ort tätige Team von Expertinnen und Experten des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe und hatte die Aufgabe, den Nothilfeeinsatz nach dem Hurrikan Matthew abzuschliessen.

Am 4. Oktober 2016 fegte der Hurrikan Matthew über Haiti. Er forderte Hunderte Menschenleben, machte Zehntausende obdachlos und richtete beträchtlichen Sachschaden an. Die Schweiz schickte umgehend Expertinnen und Experten nach Haiti, die sich im Südosten des Landes zwischen den Gemeinden Port Salut und Tiburon um die Trinkwasserversorgung kümmerten und Notunterkünfte einrichteten.

Sabine Rosenthaler arbeitet als Programmbeauftragte für Südasien in der Zentrale der humanitären Hilfe der DEZA in Bern. Als Mitglied des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe war sie vom 7. bis zum 30. November 2016 in Haiti tätig. 

Die Einsatzleiterin begab sich nach Haiti, um den seit dem Hurrikan ununterbrochen andauernden Nothilfeeinsatz abzuschliessen. Ihr Team setzte sich zusammen aus einer Expertin für Finanzen und Administration, einem Experten für Trinkwasser und Sanitärversorgung, einem Experten für Logistik und sechs haitianischen Ausbildnern, die sich an einer von der DEZA organisierten Weiterbildung auf erdbebensicheres Bauen spezialisiert hatten. Ihre Aufgabe war es, die Verteilung von Baumaterialien zu beaufsichtigen, die auf kommunaler Ebene von den Gemeinderäten koordiniert wurde, und dafür zu sorgen, dass sie in erster Linie den ärmsten Bevölkerungsgruppen zugutekamen. Die Schweizerische Botschaft in Port au Prince stellte Mitarbeitende aus laufenden Programmen zur Verfügung. Auch mit der Bereitstellung von Fahrzeugen und Fahrern leistete sie einen wichtigen Beitrag an die Einsatzlogistik.

«Auch Wochen nach dem Hurrikan waren noch Verwüstungen zu sehen: überall entwurzelte Bäume und die Trümmer von Häusern. Die meisten Einfamilienhäuser, deren Dächer vom Hurrikan abgedeckt worden waren, hatten noch kein neues Dach. Man kann sich kaum vorstellen, wie die Menschen hier leiden: Alles um sie herum ist zerstört», sagt Sabine Rosenthaler.

Im November galt es Bilanz zu ziehen und den zweimonatigen Schweizer Einsatz abzuschliessen. In diesen acht Wochen hatte die Schweiz nahezu 11 500 Kits mit Planen, Wellblech und Werkzeugen für die Errichtung von Notunterkünften verteilt. Die Humanitäre Hilfe installierte 16 Wasserstellen, wo die Bevölkerung sauberes Trinkwasser holen kann, und setzte Wasserleitungen instand, die nahezu 46 000 Personen versorgen. Im Rahmen des Programms «Cash for Work» verteilte die Schweiz Schaufeln und Motorsägen und verschaffte damit mehr als 2000 Einheimischen die Möglichkeit, zum Wiederaufbau beizutragen und damit Geld zu verdienen. Die Gesamtkosten des Einsatzes betrugen 3,3 Millionen Franken, davon 1,7 Millionen für den Direkteinsatz und 1,6 Millionen in Form von finanziellen Beiträgen an das Welternährungsprogramm, die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften und das HEKS.

Die Einsatzleiterin hält die Bilanz für zufriedenstellend. «Der Einsatz ist sehr gut verlaufen. Wir hatten optimale Synergien zwischen den Teams des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe, den Teams des örtlichen Kooperationsbüros und den lokalen Behörden. Diese Synergien machen es möglich, die Schweizer Unterstützung für Haiti im Rahmen der laufenden Programme der Entwicklungshilfe und der humanitären Hilfe fortzuführen, und zwar bei Themen wie Subsistenzlandwirtschaft, Ernährungssicherheit, Instandsetzung von Schulgebäuden und Umgang mit Katastrophenrisiken.»

Sabine Rosenthaler studierte Architektur, bevor sie erste Erfahrungen im humanitären Bereich sammelte. Sie arbeitete für private Organisationen, zunächst in der Schweiz, dann in Sri Lanka. 2009 trat sie in den Dienst des EDA und wurde in Liberia eingesetzt. Nach dem Erdbeben in Haiti 2010 wechselte sie zur DEZA, für die sie drei Jahre lang an der Schweizerischen Botschaft in Haiti tätig war. Inzwischen ist sie an die Zentrale der DEZA in Bern zurückgekehrt.

«Im Vergleich zur Situation Haitis im Jahr 2013, als ich in die Schweiz zurückkehrte, habe ich nun einige Fortschritte feststellen können. Dennoch bleibt noch viel zu tun, denn Haiti ist ein sehr armes Land und wird oft von Naturkatastrophen heimgesucht», sagt Sie.

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