Sign In
Sep 03
Parlamentswahlen 2019: «Auslandschweizerinnen und -schweizer zeigen vermehrt politisches Interesse»

Am 20. Oktober ist es nach vier Jahren wieder so weit: Die Schweizer Stimmberechtigten wählen ihre 200 Vertreterinnen und Vertreter in den Nationalrat. In vielen Kantonen finden ausserdem die Ständeratswahlen statt. Spätestens drei Wochen vor dem Wahlsonntag liegt das Wahlcouvert in den Briefkästen der Schweizer Haushalte. Die Wahlunterlagen reisen jedoch auch in alle Ecken der Welt zu den vielen Auslandschweizerinnen und –schweizern, die sich aus der Ferne an der politischen Debatte in ihrer Heimat beteiligen wollen.

Alle Auslandschweizerinnen und -schweizer haben das Wahl- und Stimmrecht in ihrer Heimat, davon macht eine wachsende Minderheit auch Gebrauch. Um wählen und abstimmen zu können, müssen sie sich jedoch im Stimmregister ihrer letzten Wohn- oder Heimatgemeinde in der Schweiz eintragen lassen.

Die Auslandschweizer-Organisation (ASO) mit Sitz in der Schweiz unterstützt die Auslandschweizerinnen und -schweizer tatkräftig bei ihren Anliegen auch im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen.

_________________________

EDA interaktiv im Gespräch mit
Ariane Rustichelli, Direktorin der ASO

Der Anteil der Auslandschweizerinnen und -schweizer, die in einem Schweizer Stimmregister eingetragen sind, hat in den letzten 4 Jahren um 4% zugenommen. Ist das ein Zeichen für ein wachsendes Interesse am politischen Geschehen in der Schweiz? 

Ja, das zeigt das wachsende politische Interesse der sogenannten Fünften Schweiz und beweist, dass Auslandschweizerinnen und -schweizer mit ihrem Heimatland verbunden bleiben möchten. Durch die Globalisierung hat sich das Mobilitätsverhalten der Menschen in den letzten 25 Jahren stark verändert: Viele Schweizerinnen und Schweizer gehen, meist aus beruflichen Gründen, nur für etwa 2-5 Jahre ins Ausland und kehren dann wieder in die Heimat zurück. Wir wissen, dass es vor allem diese Leute sind, die sich im Stimmregister einer Schweizer Gemeinde einschreiben und politisch aktiv sind.


Trotzdem ist die tatsächliche Wahl- und Stimmbeteiligung unserer Landsleute im Ausland tief: Rund 40-45% der 175'000 im Stimmregister eingetragenen Auslandschweizerinnen und -schweizer nehmen aktiv an Wahlen und Abstimmungen teil. Das macht auf die ganze Auslandschweizergemeinschaft nur rund 10% aus. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Im Allgemeinen zeigen die Auslandschweizerinnen und -schweizer grosses Interesse an der Politik in ihrer Heimat, aber die aktive Teilnahme scheitert leider oft an der Organisation: Die Wahlunterlagen sind entweder zu spät im Ausland oder nicht rechtzeitig zurück in der Schweiz. Teilweise können Schweizerinnen und Schweizer, vor allem ausserhalb Europas, ihre politischen Rechte nicht ausüben, weil die Briefpost des Wohnsitzlands nicht schnell genug ist. Aus diesem Grund haben wir uns stark für ein sicheres E-Voting-System eingesetzt und bedauern sehr, dass E-Voting bei den kommenden eidgenössischen Wahlen nicht zum Einsatz kommen wird.

Die politische Aktivität der Fünften Schweiz steht natürlich auch in direktem Zusammenhang mit den politischen Themen: Bei globalen und europapolitischen Fragen ist die Stimmbeteiligung hoch, bei Entscheidungen, die sie nicht direkt betreffen, stimmen die Auslandschweizerinnen und -schweizer meistens nicht ab. Wir hören auch oft von den Leuten selber, dass sie sich nach vielen Jahren im Ausland nicht berechtigt fühlen, die Politik in der Schweiz mitzubestimmen.

Laut neustem Sorgenbarometer des Schweizer Sozialforschungsinstitut gfs ist die grösste Sorge von Herrn und Frau Schweizer die AHV, gefolgt von den steigenden Krankenkassenprämien. Wo drückt der Schuh bei den Auslandschweizerinnen und -schweizern am meisten?

Sozialversicherungen und speziell die AHV sind ebenfalls die Hauptthemen. Es geht allerdings um die freiwillige AHV, da Ausländer im europäischen Raum an das Sozialversicherungssystem des jeweiligen Wohnlandes angeschlossen sind. Das E-Voting ist ebenso ein wichtiges Thema wie auch das Rahmenabkommen mit der EU. Insbesondere die Personenfreizügigkeit ist ein Anliegen, da die Mehrheit der Auslandschweizer und -schweizerinnen in einem EU-Land lebt. Die Personenfreizügigkeit garantiert unseren Landsleuten mit Wohnsitz in einem europäischen Land die gleichen Rechte wie den EU-Bürgerinnen und Bürgern. Eine weitere Sorge von Herrn und Frau Schweizer im Ausland ist der eingeschränkte Zugang zu einem Schweizer Bankkonto.

Wie hält die ASO den Kontakt zu den Auslandschweizerinnen und -schweizern aufrecht und welche Unterstützung erhalten sie von der ASO auch im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen?

Die digitalen Kommunikationskanäle wie Facebook, Twitter und die interaktive Plattform SwissCommunity.org ermöglichen einen unkomplizierten Austausch. Nebst unseren Webseiten ist jedoch die Schweizer Revue, unsere Zeitschrift für Schweizer Staatsbürger im Ausland mit 420'000 Abonnenten, unser wichtigster Informationskanal. Die Schweizer Vertretungen und die 650 Schweizervereine und Institutionen in aller Welt halten wir mit unserem Newsletter auf dem Laufenden. Aktuell erhalten Auslandschweizerinnen und -schweizer auf all diesen Kanälen Informationen zu den kommenden Parlamentswahlen.

Wir sind aber nicht nur virtuell in Kontakt, sondern auch direkt: Jeden Sommer reisen ca. 200 Jugendliche mit Schweizer Wurzeln aus aller Welt in die Schweiz, um an einem unserer beliebten Sommerlager teilzunehmen. In Montreux am Genfersee trafen sich Mitte August, wie jedes Jahr, etwa 400 Delegierte aus aller Welt zum Auslandschweizer-Kongress.

Haben Sie zu den Parlamentswahlen vom 20. Oktober 2019 eine Botschaft an die Fünfte Schweiz?

Die Auslandschweizer-Organisation möchte die Schweizer Bürgerinnen und Bürger im Ausland möglichst gut und umfassend unterstützen. Damit wir helfen können, braucht es eine aktive Kommunikation. Wir wollen wissen, wo die Probleme liegen. Es ist wichtig, dass die Auslandschweizerinnen und -schweizer politisch aktiv sind, damit ihre Stimme in der Heimat gehört wird. Damit sie ihre politischen Rechte ausüben können, braucht es, wie schon erwähnt, E-voting. Am Auslandschweizer-Kongress im August in Montreux hat der Auslandschweizerrat, das Parlament der ASO, deshalb eine Resolution verabschiedet. In dieser Resolution verlangen wir, dass sich der Bundesrat und die Kantone, gerade auch im Hinblick auf die nächsten Parlamentswahlen 2023, für E-Voting einsetzen. Alle Schweizerinnen und Schweizer, ob im In- oder Ausland sollen sich an der demokratischen Debatte in ihrer Heimat beteiligen können.

_________________________


 

760'200 Schweizer Bürgerinnen und Bürger leben im Ausland. Das sind rund 11% der gesamten Schweizer Bevölkerung. (Juni 2019)
​175'000 Auslandschweizerinnen und -schweizer sind im Stimmregister eingetragen. Das entspricht der Bevölkerungszahl des Kantons Thurgau und macht 23% der gesamten Auslandschweizergemeinschaft aus. (Juni 2019)
​4% hat der Anteil der im Stimmregister eingetragenen Auslandschweizerinnen und -schweizer in den letzten vier Jahren zugenommen. (Juni 2019)

Das EDA und die ASO

Das EDA und die ASO arbeiten als Partner zusammen. Beide informieren die Auslandschweizerinnen und -schweizer zur Aktualität in der Schweiz und vertreten deren Interessen. Die ASO ist eine politisch und konfessionell neutrale, unabhängige Nichtregierungsorganisation. Sie wird von den Schweizer Behörden als offizielles Sprachrohr der fünften Schweiz anerkannt. Die ASO bietet der Auslandschweizergemeinschaft eine breite Palette an Dienstleistungen.


 


Informationsportal für Auslandschweizerinnen und -schweizer zu den Wahlen 2019

 

Comments

There are no comments for this post.