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Mai 28
Olivier Rod, Schweizer Polizist im Einsatz in Mali

Vor rund zwei Jahren hat Olivier Rod seine Polizeiuniform gegen einen Blauhelm und eine kugelsichere Weste der UNO getauscht. Seither schützt er die Bevölkerung eines afrikanischen Staates, in dem die Sicherheitslage extrem angespannt ist: Mali.

Olivier Rod wurde vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) an die MINUSMA entsandt, die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali. Rund 8800 Soldaten und mehr als 1000 Polizisten aus über 40 Ländern sind für die MINUSMA im Einsatz, auch aus der Schweiz. Die Sicherheitslage in Mali ist ausserordentlich schwierig. Es kommt oft zu Attentaten oder Angriffen gegen die Bevölkerung oder die Behörden mit zahlreichen Opfern.

Die Schweiz entsendet jedes Jahr rund 200 zivile Expertinnen und Experten an internationale Organisationen, um den Frieden und die Menschenrechte zu fördern. Das politische Modell der Schweiz und die tief in ihrer Tradition und Rechtsordnung verwurzelten Werte rechtfertigen ihr Engagement. Besonders anerkannt sind der Föderalismus, die Neutralität und die Professionalität der Schweiz. Olivier Rod gehört seit Juni 2017 zum Expertenpool für zivile Friedensförderung. Er erzählt von seiner Arbeit im 3500 Kilometer entfernten Mali.

Video: Olivier Rod erklärt seine Aufgabe

 

Schildern Sie uns kurz Ihren beruflichen Werdegang.

Ich war in den letzten 37 Jahren für drei verschiedene Polizeikorps tätig. Dies ist mein erster Einsatz für die Schweiz und die UNO.

Seit dem 11. Juni 2017 bin ich in Mali stationiert. Schweizer Expertinnen und Experten übernehmen Einsätze von zwei bis drei Jahren. Begonnen habe ich meinen Einsatz in Bamako.

© Google Map

Seit eineinhalb Jahren bin ich nun in Mopti, im Zentrum Malis. Hier bin ich als Polizeiberater, Mentor und Streifenpolizist tätig.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

8 Uhr
Briefing zur Sicherheitslage im MINUSMA-Lager in Mopti. Das Briefing findet jeden Tag im Beisein aller UNO-Polizisten wie mir statt. Insgesamt sind wir jeweils 45 Personen.

9 Uhr
Briefing der MINUSMA mit einer Eskorte aus zehn Togoern der UNO-Polizeieinheit (Formed Police Unit, FPU). Die Angehörigen der FPU Togo sind militärisch ausgebildete Polizisten, die Patrouillen in Konfliktgebieten eskortieren.

Anschliessend
Aufbruch der Patrouille mit drei gepanzerten Fahrzeugen – zwei schwere, bewaffnete und ein leichtes. An Bord die Einsatzkräfte und zwei bewaffnete Experten zum Schutz. Der Einsatz im Feld erfolgt je nach dem von der Planung gewählten Zielort in einem Radius von 20 bis 200 Kilometern von der Basis entfernt.

Vor Ort
Treffen mit Vertretern der Regierungs- und Verwaltungsbehörden, der Polizei und des Militärs, mit denen wir zusammenarbeiten, oder mit Dorfchefs in den entlegensten Gebieten. Ziel unserer Mission vor Ort ist es, die Zivilbevölkerung im Rahmen unserer Möglichkeiten und Mittel sowie in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden zu schützen. Besprechung der humanitären Bedürfnisse. Informationsaustausch zur Sicherheitslage (Angriffe auf Dörfer oder Patrouillen der Partner, Hinweise auf potenzielle Risiken). Sicherheitspatrouille zu Fuss durch die Märkte. Begegnungen und Gespräche mit der Bevölkerung. Rückkehr zur Basis und Berichterstattung.

18 Uhr
Arbeitsschluss, ausser bei nächtlichen Patrouillen.

Ist die Arbeit als Polizist in Mali völlig anders als in der Schweiz?

Die Arbeit ist dieselbe: Wir stehen im Dienst der Bevölkerung und sind mit dieser in Kontakt. Nur das Risiko ist anders. In einem Land, in dem es etliche bewaffnete Gruppen gibt und Angriffe auf Behörden und die UNO zum Alltag gehören, ist die Bedrohungslage um einiges gefährlicher. Bevor wir jeweils aufbrechen, braucht es deshalb eine gute psychologische und strategische Vorbereitung.

Dazu kommt die interethnische Gewalt, die zahlreiche Opfer in der Zivilbevölkerung gefordert hat. Aus diesem Grund sind wir hier: um die Zivilbevölkerung im Rahmen unserer Möglichkeiten zu schützen.

3 Zahlen zu meiner Tätigkeit in Mali


Mehrere 100e Begegnungen in zahlreichen Dörfern

200
Patrouillenberichte      


7
Tage die Woche im Einsatz


Welches Wort verwenden Sie bei Ihrer Tätigkeit am häufigsten?

«Bonjour, ça va?»
Ein Malier, den Sie bereits begrüsst haben, grüsst Sie zehn Minuten später wieder, als wäre er Ihnen noch gar nicht begegnet. Die Malierinnen und Malier sind äusserst höflich und respektvoll.


Welches Treffen hat Sie besonders geprägt?


© Oliver Rod

Zu Beginn meines Einsatzes in Bamako begegnete ich nicht weit von meinem Wohnort diesem Mädchen. Es nahm jeden Morgen, ohne ein Wort zu sagen, meine Hand und begleitete mich zur Haltestelle, wo mich ein Shuttle zum UNO-Lager abholte.


Wie läuft die Mission ganz allgemein ab?

Die Arbeit der MINUSMA ist ausgesprochen komplex, wie jede integrierte Friedensmission. Sie konzentriert sich auf politische, humanitäre und sicherheitsrelevante Aspekte. Für jeden Bereich braucht es einen grossen Aufwand an Mitteln, Energie und Zeit.

Gibt es besondere Herausforderungen?

Bei einer solchen Mission in einem solchen Kontext ist jeder Tag eine Herausforderung.

Wie wird die Schweiz vor Ort wahrgenommen?

Der Ruf eines ordentlichen und disziplinierten Landes eilt uns voraus.


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