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Apr 03
«Keine Angst vor einem falschen Schritt» – Kroatien treibt Minenräumung voran

​Mehr als 12'000 Schilder warnen an Wald- und Wegrändern in Kroatien vor tödlichen Explosionen, die durch eine im Boden verborgene Landmine ausgelöst werden könnten. Kroatien gehört weltweit zu den zehn am meisten von Landminen belasteten Ländern. Man vermutet heute noch 347 km2 an minenverseuchtem Gebiet.

Kroatien ist auch unter den vier Ländern mit der höchsten Rate an Minensäuberung weltweit.

Landminen Monitoring 2018 (en)

Das Land war im letzten Jahr hocheffizient in der Minenräumung:


2016

2017

​2018

Entminte Fläche in Kroatien

​41.5 km2

​36.5 km2

​56 km2

Quelle: CROMAC Entminungszentrum Kroatien, Minen Aktionsplan, Statistik 2018, 09.01.2019

Kroatien treibt seine Minenräumung seit Ende des Kroatienkriegs 1995 effizient und systematisch voran. In den letzten 20 Jahren wurden mehr als 623 km2 entmint und es gab erfreulicherweise seit 2017 keine Minenunfälle mehr.

Rekordschnelle Entminung mit Schweizer Unterstützung

Die Schweiz trägt zu diesem Erfolg bei: Im Rahmen eines Projekts des Schweizer Beitrags an die erweiterte EU haben kroatische Minenarbeiter 1,8 km2 eines Waldgebiets, 60 km südlich von Zagreb, in einer Rekordzeit von 39 Tagen entmint. Mit einem Projektbudget von 3 Millionen CHF unterstützt die Schweiz in Kroatien nicht nur die Entschärfung von Sprengkörpern, sondern auch Massnahmen zur Opferhilfe und zur Aufklärung der Zivilbevölkerung. Überlebende Opfer von Minen, Streumunition und explosiven Kriegsrückständen benötigen meist ein Leben lang spezielle Unterstützung. Durch einen Minenunfall behinderte Personen sind bei ihrer wirtschaftlichen und sozialen Integration in die Gesellschaft auf Hilfe angewiesen. Bis 2020 soll eine nationale Datenbank mit Bedarfsanalyse der Minenopfer ausgearbeitet sein. Das Projekt läuft noch bis 2024.

Gefährliches Kriegserbe

Nach dem Ende des Kroatienkriegs (1991-1995) ist das Land mit einem massiven Landminenproblem konfrontiert. Die explosiven Kriegsmunitonsrückstände im Boden lassen sich nicht abschalten. Sie bleiben langfristig eine Gefahr für Mensch und Tier und machen Landflächen für die Wirtschaft und Landwirtschaft unbrauchbar. Die minenverseuchten Landflächen haben seit Kriegsende zahlreiche Verletzte und 203 Todesopfer gefordert. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Krieg ist die Angst vor den tödlichen Landminen noch nicht gebannt: Rund 30‘293 Sprengkörper bedrohen heute noch die Sicherheit der Bevölkerung. Auf der Grundlage internationaler Verträge sollte Kroatien ursprünglich bis März 2019 alle Antipersonenminen vernichtet haben. Diese Frist wurde bis 2026 verlängert.

 

© Damir Trut


Vier Fragen an:

Damir Trut, Stellvertretender Minister im kroatischen Innenministerium, verantwortlich für das Programm zur Bekämpfung von Minen und deren Folgen.

Was macht die Minenräumung in Kroatien so erfolgreich?

Kroatien hat gleich nach dem Krieg realisiert, dass die Minenverseuchung die Sicherheit der Bevölkerung, die wirtschaftliche Entwicklung und die Umwelt massiv bedroht. In Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft hat Kroatien ein ehrgeiziges nationales Entminungsprogramm entworfen. Unser Land braucht für die Entminung die neusten, international anerkannten Entminungstechniken und hat ein Minen Informationssystem (MIS) entwickelt, das präzise Informationen zur Auffindung der Landminen liefert. Die Methoden zur Entminung entwickeln sich laufend weiter. Wir arbeiten international zusammen, um für die spezifischen Bedingungen unseres Landes die beste Methode zu haben. Die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entminung sind jedoch der politische Wille, konstantes Monitoring laufender Entminungsprojekte, gut ausgebildete Mitarbeitende und die laufende Aufklärung der Bevölkerung zu den Minenrisiken.

Was sind die grössten Herausforderungen bei der Entminung?

Die humanitäre Entminung ist sehr gefährlich und teuer. Die Gelder, die dafür ausgegeben werden, sollte man jedoch nicht als Ausgaben, sondern als eine Investition in die Sicherheit der Bevölkerung betrachten. Es ist wichtig, dass der politische Wille vorhanden ist und die Finanzierung sichergestellt ist. 98% der verbleibenden verminten Gebiete sind Waldflächen, was die Entminung technisch erschwert und verteuert.

Wie kann die Bevölkerung von der Entminung profitieren?

Das ganze Entminungsprogramm hilft den Menschen, die Angst vor der Minengefahr zu überwinden und wieder Vertrauen zu fassen. Das ist die wichtigste Voraussetzung für eine wirtschaftlich produktive Nutzung der minenbefreiten Gebiete. Das Land kann wieder für die Landwirtschaft, den Tourismus und für die private Freizeitgestaltung gebraucht werden. Menschen, die Opfer eines Minenunfalls geworden sind und deren Angehörige, erhalten medizinische Unterstützung und können von Integrationsmassnahmen, die Teil des nationalen Mine Action Programms sind, profitieren.

Der 4. April ist der internationale Tag der Minenaufklärung. Haben Sie eine Botschaft?

Höchste Priorität für unsere Regierung hat ein minenfreies Kroatien. Es ist ein Menschenrecht, in Frieden und Sicherheit leben zu können, und dafür müssen wir als Regierung die Lebensbedingungen schaffen. Unsere Bürgerinnen und Bürger sollen keine Angst vor einem falschen Schritt haben müssen.

Die Schweiz und die humanitäre Minenräumung

Seit über 25 Jahren engagiert sich die internationale Gemeinschaft – und mit ihr die Schweiz – aktiv für die humanitäre Minenräumung. 1997 wurde ein internationales Übereinkommen, die Ottawa-Konvention, verabschiedet. Sie ordnet die Vernichtung von Antipersonenminen an und verbietet deren Einsatz, Lagerung, Herstellung und Weitergabe. Bis heute ratifizierten 164 Staaten das Übereinkommen, darunter die Schweiz als einer der ersten Staaten. Die internationale Gemeinschaft hat zum Ziel, bis 2025 das Zeitalter der Personenminen zu beenden. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, setzt der Bund seine Strategie zur Minenräumung konsequent um.

Humanitäre Minenräumung: Strategie des Bundes 2016-2022

 

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