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Mrz 21
«Ein Wasserbotschafter ist für diese Welt nicht genug»

Ernst Bromeis hat tausende Kilometer in kaltem Wasser zurückgelegt. Der für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) als Wasserbotschafter tätige, ehemalige Spitzensport-Trainer hat 200 Bergseen, die 13 grossen Seen der Schweiz und den Rhein von der Quelle in Graubünden bis zur Mündung in die Nordsee durchschwommen. Das entspricht einer Strecke von 1247 km. Im Sommer 2019 will Ernst Bromeis rund 800km durch den Baikalsee in Südsibirien schwimmen.

Es gibt wohl Menschen, die ihn als «Spinner» bezeichnen würden, doch Ernst Bromeis hat eine Mission. Er will Bewusstsein dafür wecken, dass Wasser keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein kostbares Gut, das über Leben und Tod entscheidet. 780 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, rund ein Drittel der Weltbevölkerung verfügt über keine sanitären Anlagen.

Dieser Mission hat er sich mit Haut und Haaren verschrieben. So wirbt er für die «Blue Peace» Initiative, mit der die DEZA zur Vermeidung künftiger Konflikte um Wasser den Dialog zwischen allen Betroffenen fördert, sowohl zwischen Staaten als auch zwischen Dorfbewohnern. Ebenfalls als Wasserbotschafter unterwegs ist er für die von der DEZA initiierte Austauschplattform «solididarit´eau suisse», die es Schweizer Gemeinden ermöglicht, Wasserpartnerschaften mit Gemeinden in Entwicklungsländern einzugehen.

Ernst Bromeis 2012 am Ufer des Rheins in Graubünden. ©Ernst Bromeis, Bild Andrea Badrutt

EDA-interaktiv hat Ernst Bromeis anlässlich des Weltwassertags 2019 einige Fragen gestellt:

Ernst Bromeis, 2014 sind Sie 44 Tage lang den Rhein hinunter geschwommen, im Sommer 2019 wollen Sie den riesigen Baikalsee durchschwimmen. Woher nehmen Sie die Energie für solche Projekte?

Es sind die Projekte und Visionen, die mir die Energie geben. Es ist ein Privileg, einen sibirischen Sommer lang im tiefsten und ältesten Süsswassergewässer der Erde zu leben. Für mich ein einmaliges Abenteuer mit absolut offenem Ausgang, denn der See ist in seiner Dimension ein Meer. Stürme, meterhohe Wellen, extrem kaltes Wasser und die Ausgesetztheit ohne Zivilisation machen dieses Schwimmen zu einer grossen Expedition. Die Einheimischen sagen: «Es ist nicht möglich.» Wir werden sehen, ob «Das heilige Meer» mir Gastrecht gewährt.


Sie nennen sich «Grenzschwimmer» und «Wasserbotschafter»; Wasser ist Ihre Leidenschaft, Wasser ist Ihre Botschaft. Wenn Sie eine Message in die Köpfe der Schweizer pflanzen könnten, wie würde sie lauten?

«Pflanzen» wird schwierig, denn die Menschen sollen selber entscheiden, was sie denken wollen. Ich versuche aber, mit meinem Schwimmen die Menschen zu berühren, denn nur als berührte Menschen können wir handeln. Und unser aller Handeln basiert in einer Welt, wo das ganze Leben auf Wasser baut. Dieses Wasser ist endlich, verletzlich, zerstörbar und ein Menschenrecht. Ohne sauberes Wasser gehen wir alle unter. So einfach und dramatisch zugleich ist das! 

Die Botschaft lautet: «Wasser ist endlich. Wir alle müssen dies realisieren! Sauberes Wasser ist nicht mehr selbstverständlich!»

Seit Jahren arbeiten Sie als Botschafter für die von der DEZA unterstützte Austauschplattform «solidarit`eau suisse»; Was blieb Ihnen in dieser Tätigkeit besonders in Erinnerung?

Die Einfachheit. Jede Gemeinde kann mit ihrer Bevölkerung unkompliziert gezielt helfen und sich so solidarisch zeigen. Wasser verbindet alle Menschen. Schicksalhaft, denn wir alle haben nicht die Wahl, ob wir Wasser nutzen wollen oder nicht. Wir alle müssen. Diese schicksalhafte Abhängigkeit ist aber auch Verpflichtung. Als Menschen müssen wir solidarisch sein, wir haben gar keine andere Wahl. Alles andere wäre unmenschlich. «Solidarit’eau suisse» ist ein möglicher Hebel mit grosser Wirkung, diese Solidarität zu leben.

Die Schweiz gilt als Wasserschloss Europas, weshalb sollte sich gerade sie mit Initiativen wie «Blue Peace» für eine gerechte Bewirtschaftung der Wasserressourcen einsetzen?

Ja, wir gelten als Wasserschloss Europas. Doch ist dies richtig? Wer hat dieses Wasserschloss gebaut? Wer hat die Quellen, Flüsse und Seen «erfunden»? Niemand! Dass wir ein «Wasserschloss» sind, ist pures Glück. Dass ich an den Quellen in Davos lebe, ist ein pures Privileg. Es ist ein Glück und Geschenk, mit Wasser ge-see-gnet zu sein.

Wir leben im Paradies und daher auch im Wasserfrieden. Gerade wir, die im wortwörtlichen Überfluss und somit im Ressourcen-Frieden leben, müssen uns engagieren, wo der Wasserfrieden umkämpft ist. Mit unserer Idee, dass Wasser ein allgemeines Gut ist und nicht in privaten Händen, steht das Wohl der Allgemeinheit im Zentrum und nicht die Partikularinteressen Einzelner.

«Blue Peace» kann zur Bewegung werden, die allen Menschen Frieden und Wasser bringt. Wasser ist Leben. Nicht nur weil wir Trinkwasser brauchen, auch weil die Produktion von Nahrungsmitteln, Gütern des täglichen Bedarfs und Energie sowie überlebenswichtige Ökosysteme auf erhebliche Mengen Wasser angewiesen sind. Wasser ist Leben, Wasser ist Frieden.

Was tun Sie, um in Ihrem Alltag den Wasserverbrauch zu reduzieren?

Eigentlich nichts Spektakuläres. Doch die Summe davon macht den Unterschied. Als Wasserbotschafter dusche ich nicht täglich, denn so kann ich Wasser und Energie sparen. Ich trinke Hahnen- und Quellwasser und versuche unnötige Wassertransporte und Emissionen zu vermeiden. Ich nehme jedes Mal am Fluss, Bach oder See ein Stück Abfall mit und entsorge es. Ich versuche den Wasser-Fussabdruck zu verringern, indem ich vor allem einheimische Produkte konsumiere. Doch ein Wasserbotschafter ist für diese Welt nicht genug. Es braucht noch viele mehr!


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