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Jan 09
5 Bilder der Schweizer Friedensförderung in Thailand

​Thailand kennen die meisten vor allem als Feriendestination. Das Land in Südostasien gehört im Winter zu den beliebtesten Reisezielen von Touristinnen und Touristen aus der Schweiz. Weniger bekannt ist die Schweizer Friedensförderung im Süden des Landes. Hier, in den südlichen Provinzen Thailands, wird seit Jahren ein bewaffneter Konflikt ausgetragen. Im Rahmen der Friedensförderung engagiert sich die Schweiz für ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und unterstützt die Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien.

Sonya Elmer Dettelbacher ist Programmbeauftragte für Religion, Politik und Konflikte bei der Abteilung Menschliche Sicherheit (AMS) des EDA. Diese Abteilung setzt die Schweizer Friedenspolitik um. Um die Aktivitäten zu evaluieren und weiterzuentwickeln reisen die Programmverantwortlichen der Schweizer Friedensförderung regelmässig zu den lokalen Partnern. Von ihrer letzten Dienstreise, im November 2018 hat Sonya Elmer Dettelbacher fünf Fotos ausgewählt um vom Engagement der Schweiz zu berichten.


«Sonya, warum haben Sie dieses Foto gewählt?»
Sonya Elmer Dettelbacher: «Das Bild zeigt eine Dharmachakra-Flagge auf dem Wa Saket Tempel in Bangkok. Das Rad oder Chakra mit den zwölf Speichen symbolisiert die Lehre des Buddha, der Dharma. Die Flagge wird seit den 1950er Jahren als Flagge des Buddhismus in Thailand eingesetzt. Ich habe das Foto gewählt um zu zeigen, dass beim Konflikt im Süden Thailands auch religiöse Aspekte eine Rolle spielen.» ©EDA

Blutiger Konflikt im Süden Thailands

In Thailands südlichsten Provinzen , an der Grenze zu Malaysia, herrscht seit 2004 ein blutiger Konflikt zwischen dem thailändischen Staat und den separatistischen Malai-Muslimen. Die Mehrheit der Einwohner Thailands sind Buddhisten. Im Süden des Landes hingegen sind Buddhisten gegenüber den Muslimen in der Minderheit. Ursprünglich waren die Forderungen der Malai-Muslime rein politischer Natur. Sie sahen ihre religiösen und kulturellen Eigenheiten bedroht und forderten mehr Selbstbestimmung in der Ausübung ihrer politischen und kulturellen Rechte.

Das Militär geht gezielt gegen die muslimischen Rebellen vor. Die Aufständischen bedienen sich Guerilla-Taktiken und führen Anschläge gegen Sicherheitskräfte aus. Unter den unbeabsichtigten Opfern waren auch buddhistische Mönche. Die buddhistische Minderheit in den drei südlichen Provinzen Thailands fühlt sich durch die Muslime bedroht und von der Regierung in Bangkok zu wenig geschützt. Vor diesem Hintergrund hat sich das Verhältnis zwischen den Religionsgruppen weiter verschlechtert.


«Warum haben Sie dieses Foto gewählt?»
Sonya Elmer Dettelbacher: «Ich habe das Bild ausgewählt, weil es einen wichtigen Aspekt der Schweizer Friedensförderung in der Region zeigt. Hier sitzen Vertreterinnen und Vertreter der buddhistischen Minderheit im Süden bei einem Workshop im Ort Pattani zusammen. Sie sammeln Ideen zur Lösung des Konfliktes.» ©EDA

Gemeinsam am Frieden weben

Der ursprüngliche rein politische Konflikt wurde nach und nach durch den «Faktor Religion» verschärft. Was tun? Diese Frage stellte sich das Team Religion, Politik, Konflikte der Abteilung Menschliche Sicherheit vor 5 Jahren. Als erstes sprach das Team mit verschiedenen Menschen aus Thailand und solchen, die diese Region sehr gut kennen. Dann gründete die Schweiz im Jahr 2015 zusammen mit der thailändischen Universität Mahidol und dem Zentrum für Sicherheitsstudien (CSS) der ETH Zürich das Intra-Buddhistische Dialogprojekt.

Langfristiges Ziel dieses Dialogprojekts ist das friedliche Zusammenleben zwischen Buddhisten und Muslimen im Süden Thailands. Zu Beginn stand der Dialog innerhalb der buddhistischen Gemeinschaft im Süden im Fokus. Hier können sich religiöse und zivilgesellschaftliche Meinungsführer über Sorgen und Ängste austauschen aber auch Ideen zur Lösung des Konflikts entwickeln. Die Universität Mahidol organisiert und moderiert die Dialoge mit der fachlichen Unterstützung des CSS und einem finanziellen Beitrag der AMS.

Aus den Gesprächen innerhalb der buddhistischen Gemeinschaft entstand die Bewegung Weaving Peace Together («Gemeinsam Frieden weben»). Die Bewegung vereint rund 30 buddhistische Meinungsführer und Geistliche mit dem Ziel, einen konstruktiven Beitrag zur Konfliktlösung zu leisten.


«Warum haben Sie dieses Foto gewählt?»
Sonya Elmer Dettelbacher: «Aufgenommen wurde das Foto in der Provinz Narathiwat. Hier war ich im November 2018 dabei, als buddhistische Mönche und muslimische Imame miteinander sprachen. Diese Art der Vertrauensbildung wird 2019 weiter vertieft.» ©EDA

Die Zusammenarbeit vertiefen

Eine der wichtigen Aktivitäten der Weaving Peace Together-Gruppe ist es, den Austausch zwischen buddhistischen und muslimischen Würdenträgern im Süden zu fördern. Ziel ist es, innerhalb der Religionsgemeinschaften das gegenseitige Vertrauen zu stärken.

Im November 2018 sprachen buddhistische Mönche und muslimische Imame zusammen über Themen, welche die Menschen in den jeweiligen Religionsgemeinschaften beschäftigen. Schnell war klar, dass Muslimen und Buddhisten dieselben Themen unter den Nägeln brennen: Bildung und Gesundheit. Qualitativ gute Dienstleistungen sind für die Menschen beider Religionsgemeinschaften wichtige Anliegen. Es wurde erkannt, dass man auf diesem Gebiet zusammenarbeiten könnte. Das Gespräch endete nach zwei Stunden mit dem Austausch von Telefonnummern und dem Beschluss, in einem nächsten Treffen die Möglichkeiten der konkreten Zusammenarbeit zu vertiefen.


«Warum haben Sie dieses Foto gewählt?»
Sonya Elmer Dettelbacher: «Das Foto zeigt buddhistische Nonnen der Weaving Peace Together-Gruppe im Austausch mit Angehörigen von muslimischen Gewaltopfern des Konflikts.» ©Weaving Peace Together-Gruppe

Zuhören, Trost spenden, Solidarität zeigen

Ihren männlichen Kollegen einen Schritt voraus sind die buddhistischen Nonnen (Bhikunis) der Weaving Peace Together-Gruppe. Sie haben 2018 begonnen, den muslimischen Opfern des Gewaltkonflikts und ihren Angehörigen Besuche abzustatten. Dieses Vorgehen ist nicht nur mutig, sondern auch doppelt symbolisch: Mutig, weil auch buddhistische Geistliche Opfer vergangener Anschläge waren. Symbolisch, weil die Geistlichen einerseits in vielen Lebensbereichen grossen Respekt geniessen und eine ethische Vorbildrolle haben. Andererseits sind buddhistische Nonnen in Thailand umstritten. Bhikunis werden von Mönchen nicht als gleichwertig angesehen. Diese Diskriminierung nutzen die Nonnen im Friedensengagement: Da sie als weniger wichtig gelten, erregen sie weniger Aufmerksamkeit. Dies wiederrum erleichtert ihnen den Zugang zur muslimischen Gemeinschaft, die ihnen wiederum schneller Vertrauen schenkt.

Muslime und Buddhisten begrüssen das Engagement gleichermassen. Die Bhikunis fühlen sich ermutigt und bestärkt, um im Jahr 2019 ihr Engagement fortzuführen.


«Warum haben Sie dieses Foto gewählt?»
Sonya Elmer Dettelbacher: «Das Bild ist am letzten Tag meiner Dienstreise entstanden. Zusammen mit Owen Frazer vom Center for Security Studies, mit Pierre Hagmann der Schweizer Botschaft und einem Team der Universität Mahidol haben wir die bisherigen Aktivitäten des Projekts evaluiert und die Aktivitäten für 2019 geplant.» ©EDA

Wie weiter?

Seit vier Jahren engagiert sich die Schweiz für den intrabuddhistischen Dialog. Der Konflikt in Südthailand ist noch nicht gelöst; Religion spielt im Konflikt weiterhin eine Rolle. Das Misstrauen zwischen Muslimen und Buddhisten sitzt tief, das Bedürfnis für vertrauensbildende Massnahmen in der Bevölkerung besteht fort. Die Schweiz ist bereit, die Friedensbemühungen weiterhin zu unterstützen.

Es war zentral, zunächst den Dialog innerhalb der buddhistischen Minderheit zu fördern. Die so entstandene Bewegung Weaving Peace Together kann jetzt ihre Sichtweise in Friedensgesprächen einbringen. Aus dieser Bewegung sind lokale Initiativen entstanden, die den Dialog mit der muslimischen Bevölkerung und deren geistlichen Vertretern suchen. Dieser Austausch wird ab 2019 intensiviert, um das friedliche Zusammenleben zu stärken. Zusätzlich sollen weitere Projekte zwischen Anhängern der Glaubensgemeinschaften initiiert werden. Gemeinsame Projekte können einen direkten Beitrag zur Vertrauensbildung und Konfliktlösung leisten. Denn, so Sonya Elmer Dettelbacher: Alle schönen Worte sind nur nützlich, wenn ihnen auch konkrete Taten folgen.

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