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Okt 02
Tsunami in Indonesien – Die Schweiz leistet humanitäre Hilfe

Nach einem Erdbeben der Stärke 7.5 rollte letzten Freitag eine meterhohe Welle über einen Teil der westlichen Küste der indonesischen Insel Sulawesi. Der Tsunami forderte bis anhin weit über tausend Todesopfer, unzählige Verletzte und verursachte immense materielle Schäden.

Das Erdbeben mit Stärke 7.5 ereignete sich auf der indonesischen Insel Sulawesi. ©EDA

Grosse Teile des 300 Kilometer langen Küstenabschnitts sind bis jetzt noch unzugänglich. Neben der Suche nach Überlebenden fehlen vor allem Wasser, Nahrungsmittel, Medikamente und Notunterkünfte. Am Montag dem ersten Oktober bat die indonesische Regierung in Jakarta um internationale Hilfe. Die Schweiz reagierte umgehend und entsandte am Montagabend eine Delegation des Schweizerischen Korps für Humanitären Hilfe (SKH) in das Katastrophengebiet. Ziel ist die Stadt Palu, welche verheerenden Folgen der Welle am meisten zu spüren bekam.

Im Interview erklärt Manuel Bessler, Chef des Direktionsbereichs Humanitäre Hilfe der DEZA, die nächsten Schritte des Schweizer Engagements vor Ort:

 

In welchen Bereichen wird die Schweiz intervenieren und mit welchen Mitteln?

«Wasser ist immer eine Schwierigkeit. Wir haben aber sehr gute Kenntnisse im Bereich Wasser. Auf Sulawesi geht unter anderem darum, verseuchtes Wasser zu analysieren, zu reinigen und nach den Tests an die Bevölkerung zu verteilen.


Ein weiterer Bereich ist die medizinische Versorgung: Es ist immer wieder wichtig zu betonen, dass es viele Verletzte gibt, die Hilfe brauchen - aber auch, dass das Leben weitergeht. Nehmen wir zum Beispiel Schwangerschaften und Geburten. Also das, was auch für uns jeden Tag anfällt. Neben der Hilfe für Verletzte setzt sich die Schweiz deshalb auch für das Aufrechterhalten der medizinischen Grundversorgung ein.

Zusätzlich legen wir von der Humanitären Hilfe einen Fokus auf Notunterkünfte. 50'000 Menschen auf Sulawesi sind ohne Obdach.


Weil es ein Erdbeben gab, reisen Baustatiker mit nach Indonesien. Sie sagen uns beispielsweise, ob wir in dieses Spital oder in jenes Hotel gehen können, obwohl es da oder dort einen Riss im Gebäude hat. Stellen Sie sich vor, den Menschen oder auch unserem Team in dem Gebäude würde etwas passieren. Das wäre verheerend für unsere Operation und würde die lokalen Behörden noch weiter belasten.


Das sind die vier Domänen, die wir der indonesischen Regierung vorgeschlagen und konkretisiert haben. Jetzt schauen wir was die lokalen Behörden wollen. Wir wissen, dass ein Interesse nach Wasser und medizinischer Unterstützung besteht.»


Koordiniert die Schweiz ihre Hilfsaktion mit anderen Staaten?

«Es ist sehr wichtig Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Dazu haben wir bereits zwei Personen vor Ort. Sie sind in Bangkok stationiert, flogen am Montagmorgen nach Jakarta und stellen die Verbindungen mit den Behörden, dem Roten Kreuz und den UNO-Organisationen wie dem Welternährungsprogamm und der Weltgesundheitsorganisation sicher. Es ist wichtig, dass die Schweiz als Akteurin neben anderen tätig sein kann und dass jeder Akteur mit seiner Expertise eine Nische besetzen kann»

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Montag, 14h30, Bern

An der Sitzung der Einsatzleitung der Humanitären Hilfe des Bundes kommen verschiedene Spezialisten des EDA zu Wort, um eine Bestandsaufnahme der Situation zu machen. Auf der Agenda stehen die neuesten Mitteilungen der indonesischen Regierung, die Katastrophenbeurteilung, die dringenden Bedürfnisse der Bevölkerung und die Unterstützung durch die Schweiz und ihr Schweizerisches Korps für Humanitäre Hilfe.



Im Katastrophenfall reagiert die Schweiz schnell und schickt Expertenteams vor Ort. An diesem Montag packen sieben Schweizer Experten ihre Koffer und fliegen gleichentags von Kloten nach Jakarta. Danach geht es unmittelbar weiter ins Katastrophengebiet. In Bern arbeitet das Logistikteam unter Zeitdruck daran, die Ausrüstung für die Experten zusammenzustellen.



Jeder Experte verfügt über eine eigene Ausrüstung, je nach Tätigkeitsbereich. Hier ist das Arbeitsmaterial eines Mitglieds des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe der Fachgruppe «Information». Seine Aufgabe ist es, die Unterstützung der Schweiz zu dokumentieren und die relevanten Informationen an die Einsatzzentrale nach Bern zu schicken.




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