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Nov 21
SDGs - Agenda 2030: Was tun Sie für eine nachhaltige Schweiz?

​Wir wollten von Schweizer Firmen und Organisationen wissen, wo sie den grössten Handlungsbedarf sehen, um die Sustainable Develoment Goals (SDGs) der Agenda 2030 zu erreichen. Denn um die 17 Ziele in den nächsten 13 Jahre wirkungsvoll umzusetzen, müssen und können alle ihren Beitrag leisten. Anhand der Antworten von Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaft und NGOs wird ersichtlich, wie vielfältig das Engagement sein kann, wie stark die Ziele miteinander verbunden sind und wo der Fokus für die Schweiz liegen kann. Wir haben gefragt: Bei welchem Nachhaltigkeitsziel (SDG) gibt es aus Ihrer Sicht am meisten Handlungsbedarf für die Schweiz und was tragen Sie dazu bei, die Agenda 2030 zu erreichen?


Marianne Hochuli, Bereich Grundlagen, Caritas Schweiz

«Als grösste Herausforderung sehe ich, dass wir die Ziele nicht einfach isoliert betrachten und ihnen zuordnen, was wir bereits tun, sondern, dass wir vor allem die Verbindung zwischen den verschiedenen Zielen anerkennen und dort aktiv werden, wo Handlungsbedarf besteht. Gehen wir als Caritas beispielsweise das Thema Armut an, hängt das mit vielen weiteren Themen zusammen – Armut kann mit Gesundheit zu tun haben, mit der Wohnsituation, mit dem Migrationsstatus. Darum ist es wichtig, aus diesen „Gärtchen“ heraus zu kommen, vernetzter zu denken und zu handeln. Als Konsequenz muss daraus auch eine nähere und vernetztere Zusammenarbeit von Bundesämtern, Kantonen, Gemeinden und den NGOs in der Schweiz entstehen. Caritas Schweiz hat drei Schwerpunkte: Sozialpolitik, Migrationspolitik und Entwicklungspolitik. Somit können wir bei unserer Arbeit alleThemen in unsere Ueberlegungen einbeziehen und kohärente Vorschläge zu deren Verbesserung machen.»


Friedrich Wulf, Projektleiter Politik und Internationales Pro Natura

«Wir freuen uns, dass die Agenda 2030 das Prinzip „Planet“ erstmals auf der internationalen  Politikagenda verankert hat. Dieses Prinzip stellt klar, dass die ökologischen Grenzen unseres Planeten eingehalten werden müssen und nicht mehr Ressourcen verbraucht werden können, als nachwachsen. Die Schweiz ist da leider sehr weit ab vom Ziel. Wir haben einen Ressourcenverbrauch von fast drei Planeten. Den grössten Handlungsbedarf sehen wir darum im Umweltbereich, also konkret beim nachhaltigen Konsum (SDG 12), Klima (SDG 13), Ökosysteme Meere (SDG 14) und Ökosysteme Land (SDG 15).
Wir engagieren uns natürlich schon seit langem auf nationaler Ebene für den Erhalt der Natur. So betreut und pflegt Pro Natura über 650 Naturschutzgebiete selbst. Doch wir nehmen auch Einfluss auf Entscheidungen im politischen Prozess, national wie international. In der Schweiz setzen wir uns zum Beispiel für eine nachhaltige Landwirtschaftspolitik ein, plädieren für die Reduktion von Düngermittel und engagieren uns in der Raumplanung gegen Zersiedelung. In der internationalen Diskussion setzen wir uns dafür ein, dass Ressourcen umweltfreundlicher gewonnen werden. Es kann ja beispielsweise nicht sein, dass Schweizer Unternehmen im Inland hohe Produktionsstandards einhalten, im Ausland aber wie der Räuber im Wald agieren. Darum unterstützten wir die Konzernverantwortungsinitiative oder machen konkrete Projekte um den Verbrauch von Palmöl zu reduzieren.»


Pierre Zwahlen, Präsident, fedevaco
Die Fédération vaudoise de la coopération ist ein Zusammenschluss von ca. 20 Waadtländer NGOs

«Das grösste Defizit ist immer noch die Bekanntmachung der Agenda 2030. Viele Gemeinden, Kantone und Wirtschaftsakteure kennen die Nachhaltigkeitsziele noch nicht. Darum ist es unsere Aufgabe die Agenda 2030 bekannter zu machen, damit diese auch als Leitfaden zum Beispiel für Firmen dienen kann oder in der nächsten nationalen Strategie Nachhaltige Entwicklung wiederspiegelt ist. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit meinen Kolleginnen und Kollegen in den Gemeinden und Kantonen noch viel Energie mobilisieren können, um die Agenda umzusetzen.»


Maria Hogrebe, Leiterin Entwicklung, RICOTER Erdaufbereitung AG

RICOTER stellt Gartenerde für den Blumentopf oder den Garten her

«Die grösste Herausforderung sehen wir beim nachhaltigen Konsum, dem SDG 12. In unseren internen Diskussionen kamen wir zum Schluss, dass es nicht reicht hier in der Schweiz auf Umweltschutz zu setzen und ökologische sowie soziale Standards einzuhalten. Wir müssen das global angehen. Klar –  nationaler Umweltschutz ist wichtig für die Schweiz, aber es kann nicht sein, dass wir Produkte aus Ländern importieren, in denen Menschenrechte in Frage gestellt werden und ökologische Regeln unbeachtet bleiben.
Wir haben Nachhaltigkeit gross auf unsere Fahne geschrieben. Unsere Markenprodukte sind seit 2014 Torf-frei und wir versuchen auch unsere Partner für diesen Ansatz zu begeistern. Die Verwendung von Torf ist ein Problem, weil durch dessen Gewinnung Moore zerstört werden. Dies hat einen erheblichen Einfluss auf Ökosysteme und Biodiversität. Momentan versuchen wir das nationale Torfausstiegskonzept vom Bund in der Branche besser zu verankern. Danach wäre es wichtig, dieses Thema auch global anzugehen.»


David Rossé, Vorstandsmitglied, Swisscom

«Die Swisscom ist der Meinung, dass für die Schweiz insbesondere das SDG 12, welches nachhaltige Produktion und nachhaltigen Konsum zum Ziel hat, grosse Herausforderungen birgt. Darum setzt sich die Swisscom im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie unter anderem für eine faire Lieferkette ein. Durch unseren Einsatz sollen so bis 2020 die Arbeitsbedingungen von über zwei Millionen Menschen verbessert werden. Da Ressourcen endlich sind, setzt die Swisscom zudem auf die Kreislaufwirtschaft. Eine entsprechende Strategie wird ab 2018 umgesetzt. Schon heute bieten wir beispielsweise reziklierbare Produkte wie das Fairphone an.»


Online-Konsultation und Schweizer Plattform  «Dialogue 2030»

Der Bundesrat setzt sich national und international für die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ein. Zur Klärung des Umsetzungsstands und des künftigen Handlungsbedarfs der Schweiz wurde auf Bundesebene eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Zu dieser hat der Bund Ende Juni bis August 2017 eine online-Konsultation durchgeführt, in der die Einschätzungen des Bundes ergänzt werden konnten. Um diese Bestandsaufnahme zu diskutieren, lud die Schweizer Plattform „Dialog 2030“ Ende Oktober Akteure aus Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung nach Bern ein. Die Interviews fanden im Rahmen der Plattform statt.

Länderbericht der Schweiz an die UNO 2018

Die Ergebnisse der Online-Konsultation und des Dialogs 2030 dienen als Orientierung für den ersten Länderbericht der Schweiz an die UNO im Jahr 2018. Dieser legt dar, wo die Schweiz heute in der Zielerreichung steht und welches die Prioritäten des Bundes sind. Der Länderbericht bildet die Grundlage der Nachhaltigkeitspolitik des Bundesrats und dient als Orientierung für alle Sektoralpolitiken und Akteure der Schweiz.

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